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Wir haben es satt!

  • 18.1. Demo in Berlin

    18.1. Demo in Berlin

Wir haben es satt!

Anlässlich der Grünen Woche in Berlin demonstrieren Landwirt/innen, Tierschutz-, Anbau- und Umweltverbände gemeinsam mit Bürger/innen bei der Demo "Wir haben es satt!" am 18. Januar bereits zum 10. Mal für gesundes Essen, artgerechte Tierhaltung, Gentechnikfreiheit und gegen das Höfesterben.

In diesem Jahr stehen für Landwirtschaft und Klima wichtige Entscheidungen an. Die EU-Agrarreform wird darüber entscheiden, ob das Insektensterben noch aufgehalten werden kann und eine Agrarwende stattfinden wird. 2020 soll auch über das umstrittene Mercosur-Freihandelsabkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay abgestimmt werden. Auch dagegen wird am 18. Januar demonstriert.

In den letzten zehn Jahren mussten in Deutschland 100.000 landwirtschaftliche Betriebe aufgegeben werden. Da die EU-Subventionen nach Hektaranzahl gezahlt werden, bekommen die großen Betriebe immer mehr Geld und kaufen die Flächen der kleinen Betriebe auf. Durch dieses Prinzip bekommen 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Subventionen, bzw. 80 Prozent der Betriebe müssen mit 20 Prozent auskommen. Sollte es bei Subventionen nicht auch um Nachhaltigkeit und die Art der Bewirtschaftung gehen?

Die Demonstranten setzen sich für eine sozial gerechte und ökologische EU-Agrarreform ein. Die aktuelle Agrarpolitik fördert die industrielle Landwirtschaft, die mit ihrem flächendeckenden Pestizideinsatz das Insektensterben fördert. Durch den Anbau von Gen-Soja als Futtermittel wird weiterhin der Regenwald abgebrannt und die billigen Dumping-Exporte rauben den Bauern die Existenz. Das vergangene Jahr hat außerdem gezeigt, dass der Klimaschutz Priorität haben muss. Deshalb wird sich mit der Demo aktiv für Klimaschutz und Umwelt eingesetzt.

Klar ist: So geht es auf den Höfen und in der Agrarpolitik nicht mehr weiter. Nicht nur die Belastungsgrenzen unserer Erde werden überschritten: Auch die wirtschaftliche und persönliche Belastungsgrenze vieler Landwirt/innen ist bereits erreicht. Für eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft brauchen wir die Bereitschaft der Landwirtschaft, aber auch die Unterstützung der Verbraucher/innen und der Wirtschaft. Dringend notwendig sind außerdem klare politische Rahmenbedingungen, die einen deutlichen Anreiz für den Umbau der Landwirtschaft setzen.

Die Zeit ist reif für eine ehrliche Wertschätzung bäuerlicher Arbeit, für gerechte Preise und ein ausreichendes Einkommen, für flächendeckenden Arten-, Klima- und Wasserschutz, für eine besonders artgerechte Tierhaltung, für eine Reform der Agrarpolitik, die die Vielfalt der Bauernhöfe absichert, für eine Offensive, die Existenzgründungen in der Landwirtschaft fördert und für faire Arbeitsbedingungen in der gesamten landwirtschaftlichen Lieferkette.

Für einen konsequenten Klimaschutz brauchen wir noch mehr bäuerliche Betriebe, die regionale und saisonale Lebensmittel erzeugen und umwelt- und klimaschonende, also ökologische Landwirtschaft betreiben. Doch was kann jede/r Einzelne von uns da schon konkret tun? Eine mögliche Antwort: Wer schon heute nachhaltig besser leben und sich ernähren will, kommt nicht daran vorbei, etwas mehr Geld für wirklich gute Lebensmittel auszugeben. Nur vom Staat oder den öffentlichen Haushalten zu erwarten, hier den gerechten Ausgleich für die Landwirte zu leisten, ist unrealistisch. Hier sind eher (regionale) Wertschöpfungsketten, der Fachhandel und wir als Verbraucher/innen gefragt. Wir alle können im Alltag mit unserem (Einkaufs-)Verhalten mitbestimmen, welche Entwicklung wir unterstützen. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern ackern ohne Glyphosat, halten ihre Tiere artgerecht und füttern gentechnikfrei. Und immer mehr Menschen sehen den Mehrwert solcher Produkte für Mensch und Umwelt. Wir müssen aber auch tatsächlich bereit sein, über etwas höhere Preise die Mehrkosten und den zusätzlichen Aufwand zu würdigen und z. B. unfassbar billige Lebensmittel-Schnäppchen und Fleisch zu Dumping-Preisen links liegen zu lassen. So ermöglichen wir den an der Wertschöpfungskette beteiligten Landwirten bzw. Herstellern auskömmlich zu wirtschaften und sich betriebswirtschaftlich existenzfähig aufzustellen. Gleichzeitig engagieren wir uns so gemeinsam für die globale Agrar- und Ernährungswende - und für eine lebenswerte Zukunft.

Herzliche Grüße

Ihre ebl-Redaktion

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