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Was unsere Lebensmittel wirklich kosten

  • Von echten Preisen <br>und ihrem Wert

    Von echten Preisen
    und ihrem Wert

Was unsere Lebensmittel wirklich kosten

„Wenn wir weiter den Weg gehen, bei dem in der Wirtschaft und der Landwirtschaft nur der Gewinn zählt, wird der Lebensraum für uns Menschen endgültig zerstört.“ Mit diesem Zitat von Prinz Charles beginnt das neue Buch „Die Preise lügen“.

Sagen uns die Preise, die uns täglich tolle Lebensmittel-Schnäppchen versprechen, die ganze Wahrheit? Oder können diese Dumping-Angebote nicht vielmehr nur eine Mogelpackung sein, die die wahren Kosten auf die Gemeinschaft abwälzt? Dieser Frage gehen die beiden Herausgeber des Buches, Volkert Engelsman (Geschäftsführer der niederländischen Bio-Firma Eosta) und Bernward Geier (ehemaliger Direktor des Weltdachverbandes der biologischen Landbaubewegung IFOAM) nach. Im Gespräch erklärt Bernward Geier, warum dieses Buch auch für uns als Verbraucher/innen Pflichtliteratur sein sollte.

Die Rechnung bezahlen wir am Ende alle!

Wer bezahlt für Produkte, die Luft verschmutzen oder Menschen ausbeuten, die tatsächlich verursachten Kosten? Wer zahlt für die Nitratbelastung unseres Grundwassers oder das Bienensterben durch extensiven Pestizideinsatz? Eine Studie in Frankreich hat beispielsweise durch die konventionelle Landwirtschaft verursachte Kosten für die Wiederaufbereitung von Wasser untersucht. Diese seien, so die Studie, annähernd auf dem Niveau des jährlichen Lebensmittelumsatzes in Frankreich. Dieser belief sich zum Zeitpunkt der Studie im Jahr 2011 auf 192 Milliarden Euro. „Es ist es an der Zeit zu handeln, denn nur, wenn die Folgekosten konventionell produzierter Lebensmittel sichtbar gemacht und auf die Produktpreise umgelegt werden, ist unser Wirtschaftssystem wirklich gerecht“, erklärt Bernward Geier. Zu den bisher nicht eingepreisten Folgekosten zählen nicht nur Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und Sterben der Artenvielfalt, die inzwischen allgemein bekannt sind, sondern auch die nicht auf den ersten Blick erkennbaren, aber gravierenden Auswirkungen wie z. B. ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme durch nährstoffärmere und belastete Nahrungsmittel, der unwiederbringliche Verlust von fruchtbarem Boden oder die Ausbreitung antiobiotikaresistenter Keime.

Die FAO (Food and Agriculture Organization der UN) beziffert die nicht in Produktpreisen einkalkulierten Folgekosten alleine für die Landwirtschaft auf unglaubliche 4,8 Billionen US-Dollar. Am Ende zahlt die Allgemeinheit für diese Folgekosten die Rechnung. Geier ist überzeugt: Wenn die Preise endlich die Wahrheit sagen würden, wäre konventionell produzierte Produkte plötzlich viel teurer als bio. Eine Bio-Ananas beispielsweise produziert 400 Liter weniger Treibhausgase als eine konventionell produzierte Ananas. Unbestrittene Vorteile der ökologischen Landwirtschaft für Mensch und Umwelt sind außerdem, dass sie Prozesse wie CO2-Bindung, Bodenregeneration oder den Anstieg natürlicher Schädlingsfeinde von vornherein in die Erzeugung von Lebensmitteln miteinbezieht und gleichzeitig schädliche Auswirkungen minimiert oder ganz ohne sie auskommt.

Aber wie macht man diese Zusammenhänge allgemein verständlich? Eine Idee ist die „True-Cost-Blume“ von Nature & More: Ihre sechs Blütenblätter Boden, Wasser, Biodiversität, Klima, Soziales und Gesundheit symbolisieren die Nachhaltigkeitsaspekte eines Produktes (mehr Infos dazu unter www.natureandmore.com/de).

„Die Preise lügen“ ist sicherlich keine einfache Lektüre. Aber es lohnt sich, sich die einzelnen Beiträge Stück für Stück zu erarbeiten. Die 12 Autoren, darunter auch die alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva und Christian Felber, der Begründer der Gemeinwohlökonomie, zeigen an einer Vielzahl von konkreten Beispielen auf, wie ungerecht das derzeitige System ist, und entwickeln alternative Lösungsansätze.

Bernward Geier ist überzeugt, eine Welt, die uns die wahren Kosten von Produkten verrät, ist möglich. Er glaubt an den gesunden Menschenverstand, ist überzeugt, wenn die Fakten auf dem Tisch liegen, will die Mehrheit das Richtige und dadurch kommt dann auch der politische Druck, um das Thema durch verbindliche gesetzliche Regelungen auf den Weg zu bringen. „Die umsatzstärksten landwirtschaftlichen Betriebe, die 10 % des Marktes ausmachen, bekommen heute 50 % der Agrarsubventionen“, erklärt Geier noch. Ein ungleicher Wettbewerb, der sicherlich auch nicht im Sinne der Verbraucher ist. Nur nachhaltig produzierte Produkte beinhalten wirklich den größten Teil der Kosten im Preis, so Geiers Fazit.

Sein Wunsch: Eine Gesellschaft, die durch bewusstes Konsumverhalten und politisches Engagement Politik und Wirtschaft zum Umdenken bringt. Dazu können wir alle beitragen.

Herzlich grüßen

Christine Fröhlen und Frank Braun für die ebl-Redaktion

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