Artikelarchiv
Warum Öko-Saatgut?

  • Warum Öko-Saatgut?

    Warum Öko-Saatgut?

Warum Öko-Saatgut?

Das wertvolle Wissen über die erfolgreiche Vermehrung unserer Nutzpflanzen ist ein jahrtausendealtes Kulturgut der Menschheit. Heute ist vielen von uns gar nicht mehr bewusst, dass alles, was wir an pflanzlicher Nahrung zu uns nehmen, sei es Getreide, Gemüse, Salat oder Obst, aus Samen entstanden ist.

Traditionell wurde von den Bäuerinnen und Bauern jedes Jahr ein sorgfältig ausgesuchter Teil der Ernte aufbewahrt und bei den nächsten Aussaaten genutzt. So entstand ein riesiger Schatz an Kultursorten, die sich durch ihre Nachbaufähigkeit und ihre regionale Anpassung auszeichneten. Außerdem waren die Sorten für alle ohne Einschränkung nutzbar. Durch die zunehmende Industrialisierung und Standardisierung der Landwirtschaft und der Nutzpflanzen begannen allerdings bereits Anfang des 20. Jahrhunderts private Firmen mit der Saatgutzucht.

Hierbei ging es nicht um Vielfalt, sondern um möglichst hohe Einheitlichkeit der Pflanzen, damit diese im Idealfall weltweit angebaut werden können. So entstanden Hochleistungssorten, deren erfolgreicher Anbau abhängig war vom Einsatz chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenbehandlungsmitteln. Abhängig wurden dadurch aber auch die Landwirt*innen und Gärtner*innen: Denn im Laufe der Zeitwurden immer mehr Hybridsorten gezüchtet, die nur im ersten Anbaujahr Höchsterträge bringen. Aus deren Samen können bei der nächsten Aussaat aber keine gleichwertigen Pflanzen mehr gezogen werden, denn sie sind nicht samenfest. So muss jedes Jahr neues Saatgut inklusive der darauf abgestimmten Pestizide und Dünger gekauft werden - ein Milliardengeschäft für die Saatgutkonzerne.

Aber diese Entwicklung betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern im Grunde die ganze Menschheit: Mittlerweile beherrschen vier Chemiekonzerne mehr als 70 Prozent des gesamten Saatgut- und Pestizidmarkts. Bis zu 90 Prozent der traditionellen samenfesten Sorten sind dadurch bereits verschwunden. Immer weniger Sorten machen so einen immer größeren Anteil an der Welternährung aus.

Was bedeutet "samenfest"?

Im Obst- und Gemüseanbau heißen Sorten, die mit allen Eigenschaften natürlich vermehrt und erhalten werden können, "samenfest". Typische Eigenschaften und Merkmale wie z. B. Geschmack und Form bleiben erhalten. Samenfeste Sorten entstehen auf dem Acker, werden von den Bauern selbst oder unabhängigen Saatgutinitiativen wie z. B. der Bingenheimer Saatgut AG vermehrt und weitergezüchtet. Sie entsprechen dem, was wir unter konsequent ökologische Landwirtschaft verstehen. Auch durch den Klimawandel herrscht großer Bedarf an neuen, anpassungsfähigen samenfesten Sorten.

Wir bei ebl setzen uns für die Entwicklung samenfester, gentechnik-und patentfreier Sorten von Gemüse, Obst sowie Getreide ein und unterstützen verschiedene Initiativen und Projekte (z. B. BNN-Züchtungsprojekt, Saatgutfonds der Zukunftsstiftung Landwirtschaft), die die konzernunabhängige ökologische Züchtung aktiv voranbringen und für mehr Verfügbarkeit von Öko-Saatgut sorgen. Auch beim Einkauf unserer Produkte achten wir darauf, samenfeste Sorten zu beziehen und fragen unsere Lieferanten auch ganz gezielt danach. Um unsere Kund*innen auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen, kennzeichnen wir unser samenfestes Gemüse und Obst mit gelben Preisschildern.


Die Vorteile samenfester Sorten liegen auf der Hand:

  • Oft angepasst an spezielle, regionale Standort-Bedingungen, deshalb gut geeignet für Öko-Landbau, der ohne Mineraldünger und chemisch-synthetische Ackergifte auskommen muss.
  • Erhalt der Artenvielfalt bzw. Biodiversität.
  • Landwirtschaftliche Erzeuger bleiben unabhängig von Saatgut-Herstellern und Konzernen.
  • Tendenziell langsames Wachstum, dadurch oft intensiveres Aroma und besserer Geschmack.

Auch einige Hersteller bieten Produkte aus samenfesten Sorten an wie z. B. Rapunzel mit bestimmten Tomatensaucen oder Voelkel mit seinen Gemüsesäften. Mit dem Kauf als samenfest gekennzeichneter Bio-Lebensmittel und -Produkte unterstützen Sie als Kund*innen die nachhaltige Sortenentwicklung und die Zukunft einer unabhängigen ökologischen Pflanzenzüchtung.

Herzliche Grüße

Christine Fröhlen (ebl-Redaktion)

Menu
Ich stimme zu.

Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.  Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung