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Warum haben Kühe Hörner?

  • Demeter-Landwirt Siegfried Meyer

    Demeter-Landwirt Siegfried Meyer

Warum haben Kühe Hörner?

Siegfried Meyer ist Demeter-Landwirt aus Leidenschaft. Sein Betrieb liegt unweit des Altmühlsees in Opfenried. Dort bewirtschaftet er 52 Hektar Land, teils als Acker-, teils als Grünland. Aber im Mittelpunkt seiner Arbeit steht die Kuh.

 Meyer hat einen Milchviehbetrieb mit 35 behornten Milchkühen. Die Milch seiner Kühe können Sie nach der Verarbeitung in der Molkerei Schrozberg auch in Ihren ebl-Märkten genießen. Dass Kühe von Natur aus Hörner tragen, ist keinesfalls Allgemeinwissen. Kein Wunder, ist das Bild in Werbung und auf den Kuhweiden während unserer Spaziergänge geprägt von hornlosen Kühen. Schon im Jahr 2020 könnten die ersten Rassen zu 100 Prozent genetisch hornlos sein. Aktuell tragen bereits über 90 Prozent der Kühe in Deutschland keine Hörner mehr. Die wenigsten Menschen wissen allerdings bisher, dass die Horn-Kuh vom Aussterben bedroht ist. Horn-Kühe können aber nur erhalten werden, wenn die Züchtung mit horntragenden Stieren ausgeweitet wird, sich immer mehr überzeugte Landwirte für die Haltung von horntragenden Tieren finden lassen und die Verbraucher deren Milch und Fleisch nachfragen.

Im Gespräch mit Siegfried Meyer erfahre ich mehr über den Wandel der Milchwirtschaft in den letzten Jahrzehnten und über die Funktion der Hörner.

Die Milchwirtschaft im Wandel der Zeit

Auch an der Milchwirtschaft ist die industrielle Revolution nicht vorübergegangen. Schaut man sich die Zahlen des Milchindustrie-Verbandes an, wird dieser Wandel offensichtlich. Hatte eine Kuh 1990 noch einen Milchertrag von 4.710 Kilogramm, so waren es 2016 schon 7.746 Kilogramm, Tendenz weiter steigend. Die absolute Menge produzierter Kuhmilch ist dabei mit leichten Schwankungen in diesem Zeitraum fast gleich geblieben. Der Milchpreis ist seit 2015 unter dem Niveau des Jahres 2000. Jedes Jahr hören 5 % der Betriebe auf. Die Arbeit ist enorm hart, der Ertrag gering.

In der modernen konventionellen Milchproduktion spielen die Bedürfnisse der Kühe kaum eine Rolle. Hier geht es einzig um Ertrag per Kuh und die Frage, wie sich möglichst viele Kühe auf möglichst wenig Raum bewirtschaften lassen. Es gibt Melk-, und Fütterungsroboter, die die Abläufe fast vollständig automatisieren. Computer werten die Daten aus und überwachen den Gesundheitszustand der Kühe. Um das klar zu machen, ich bin kein Technologiefeind, aber dem Wesen der Kühe wird dies alles nicht gerecht. Normalerweise leben Kühe in komplexen hierarchischen Strukturen in Herden bis zu maximal 70 Tieren. Der Verbund ist wichtiger Teil im Leben einer Kuh. Auch das Horn hat eine wichtige Funktion.

Lebewesen oder Produktionsmittel?

Für Landwirt Meyer gehören die Hörner zur Kuh. Die Hörner haben eine wichtige Funktion im Leben der Kühe, wie wir heute wissen. Aber ohne Hörner lassen sich doppelt so viele Kühe in einem Stall unterbringen. Hier steht also rein das ökonomische Interesse im Vordergrund, so Meyer. In der Tat hatten eigentlich alle Kühe Hörner. Teils wurden diese weggezüchtet, meist werden sie kurz nach der Geburt entfernt. Dabei ist das Horn Futtergabel, dient zur Temperaturregulierung und Fellpflege und ist ein Teil der Körpersprache in der komplexen Hierarchie einer Kuhherde.

Auch beim Verdauungsprozess der Kühe ist das Horn wichtig. Anatomisch, so Meyer, kommen die Verdauungsgase aus dem Pansen hoch. Diese Gase steigen bis in den Schädel in die Hohlräume wie Nebenhöhlen und gehen bis in den Hornzapfen. Der Hornzapfen ist der sehr empfindliche durchblutete Teil des Horns, der aus dem Stirn bein die Verbindung zum Horn bildet. So verdaut die Kuh besser und der Geschmack der Milch ist ein anderer, ist Meyer überzeugt.

Für ihn war bereits 1988 klar: "Wenn ich in den Betrieb meiner Eltern einsteige und die Milchwirtschaft übernehme, dann nur biologisch-dynamisch." Bei Demeter lassen die Landwirte den Tieren ihre Hörner und geben den Kühen ausreichend Platz, um die Sozialstrukturen in der Herde zu erhalten. Auch das Futter für seine Tiere erzeugt Meyer selbst auf den umliegenden Flächen. Sein Hof ist ein geschlossener Kreislauf der Selbstversorgung. 1996 hat er den alten Stall nach seiner Vision einer artgerechten Haltung umgebaut. Es gibt 3,5 Meter breite Laufgänge, denn Kühe brauchen Platz, um Stress in der Herde zu vermeiden. Neben den Weideflächen hat er auch einen 7 Meter breiten und 50 Meter langen Laufhof. Sommer wie Winter haben die Tiere Kontakt zu Luft und Licht. Das ist für das Wohlbefinden der Tiere sehr wichtig. Sein Beispiel zeigt, wie es auch anders geht.

Ein paar persönliche Worte zum Schluss: Ich finde es beschämend, dass die Würde dieser wunderbaren Tiere in der Massentierhaltung so missachtet wird. "Wir sind Leben inmitten von Leben, das leben will", so hatte es Albert Schweitzer einst formuliert. Eine Industrie, die diesen Grundsatz ausblendet, hat vergessen, dass es genau dieses Miteinander aller Arten ist, die unseren Planeten überleben lässt.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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