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Wann, wenn nicht jetzt?

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Wann, wenn nicht jetzt?

"Wir sind dran", so formulierte es Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker 2017 für seinen Bericht für den Club of Rome. Die deutsche Klimaallianz benennt es in ihrem jüngst veröffentlichten Maßnahmenprogramm für den Klimaschutz etwas anders: "Wann, wenn nicht jetzt", so der Titel der Schrift, die man unter www.klima-allianz.de kostenlos herunterladen kann.

Ja, wann, wenn nicht jetzt in der Weihnachtszeit könnten wir damit beginnen, Teil dieses Wandels zu werden? Und der muss wohl in uns beginnen, ehe er in die Welt hinein wirken kann. Würden wir gefragt, so wäre wohl eine überwältigende Mehrheit nicht nur hierzulande für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit. Aber es geht uns nicht anders wie der Politik, die Theorie ist das Eine, die Praxis noch einmal etwas völlig anderes.

Es ist eben nicht der Intellekt alleine, der uns zum Handeln bringt. Es braucht auch einen inneren Antrieb jenseits des Verstandes, um diese Lücke zwischen unserem Wollen und unserem Tun zu schließen. Die Psychologie nennt das die "Mind-Behaviour-Gap", die Lücke zwischen Wollen und Tun. Gerade erst ging der Klimagipfel in Kattowitz zu Ende. Es wurde wieder um Worte gerungen, um Kompromisse zu finden für einen gemeinsamen Fahrplan für den Klimaschutz. Deutschland wird seine Klimaziele verfehlen. Deutschland ist auch auf dem besten Wege, die 2015 vereinbarten Nachhaltigen Entwicklungsziele zu verfehlen, die bis 2030 umgesetzt werden sollen. Kennen Sie die überhaupt? Genau da liegt eines der Probleme. Politik formuliert Ziele, aber es sind die Menschen, die diese Ziele Tag für Tag mit Leben füllen müssen, wenn aus der Theorie auch gelebte Praxis werden soll.

Die Verantwortung für ein zukunftsfähiges Lebensmodell können wir eben nur gemeinsam tragen. Wir müssen wohl umlernen. Zu lange hat man uns mantraartig vermittelt, dass jeder seines eigenen Glückes Schmied sei, dabei ist längst klar, die Herausforderungen unserer Zeit lassen sich nicht als Individuum auflösen. Es braucht eine neue Formder Verbundenheit, einen Weg zum "Wir". Der Neurobiologe Gerald Hüther hat das in seinem Buch "Connectedness - Warum wir ein neues Weltbild brauchen" wie ich finde treffend beschrieben. Das Buch ist ein Plädoyer für eine Verbundenheit zwischen uns und dem Leben um uns herum. Aber wie lässt sich dieses neue Wir-Gefühl erlernen? Das Wort Advent steht für Ankunft, das Warten auf etwas unglaublich Wundersames. Die Weihnacht ist eine Zeit der Hoffnung, jenseits von Vernunft. Sie erinnert uns, dass wir nicht aufhören sollen, groß zu träumen, auch wenn die weltpolitischen Realitäten derzeit wenig Nahrung dafür geben.

Ich denke, im Kleinen lässt sich die Ankunft eines neue "Wir" durchaus wahrnehmen und es ist wichtig, den Blick immer wieder auch zu diesen positiven Beispielen gelebter Verbundenheit zu lenken, um unseren guten Vorsätzen neue Kraft und neuen Mut zuzuführen. Ich erlebe ältere, aber auch viele junge Menschen, die neue Lebensmodelle wagen. Da ist der Softwareentwickler, der sich Tag für Tag gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt und Lebensmittel vor der Abfalltonne bewahrt. Da ist die junge Frau, die den Restmüll dieses nun fast abgelaufenen Jahres für sich und ihre 3-köpfige Familie in ein Einwegglas bringt. Da ist der Familienvater, der anfängt, überall in der Stadt achtlos weggeworfene Zigarettenstummel zu sammeln, als er entdeckt, wieviel Gift diese enthalten. Sie alle hinterfragen Gewohnheiten, die es sich in unserem Leben bequem gemacht haben. Ich könnte die Liste von solchen positiven Beispielen noch seitenweise fortsetzen. Viele unter uns sind oft Mutmacher für andere, ohne es selbst so wahrzunehmen. Gemeinsam können wir unseren Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit täglich ein wenig mehr in unser Leben hineinholen. Dazu braucht es nicht mehr Verstand, sondern mehr Herz.

Vom Neurologen Viktor Frankl ist folgendes Zitat überliefert: "Das Gefühl kann viel feinfühliger sein als der Verstand scharfsinnig." Vielleicht können wir in dieser so schnelllebigen Zeit diese Festtage dazu nutzen, um zur Ruhe zu kommen und in der Stille wieder mehr mit unserem Herzen verbunden zu sein. Klar, unser Versuchen wird am Ende nicht alle Katastrophen abwenden können, es wird die täglichen Ungerechtigkeiten in vielen Teilen unserer Welt nicht ungeschehen machen können, Scheitern gehört zum Leben. Aber so lange täglich mehr und mehr Menschen beginnen, eine neue Saat in ihrem Leben auszubringen, solange dürfen wir hoffen, dass diese Saat für ein neues "Wir" sich allerorten verbreiten wird.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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