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Wann uns eine Erde nicht mehr reicht

  • 1. August 2018

    1. August 2018

Wann uns eine Erde nicht mehr reicht

Am 1. August ist „Earth Overshoot Day“ 2018. Der „Welterschöpfungstag“ markiert den Tag, ab dem wir aus ökologischer Sicht über unsere Verhältnisse leben. Wir haben bis zu diesem Tag schon so viel von unseren natürlichen Ressourcen verbraucht, wie die Erde in einem ganzen Jahr erneuern kann.

Jahr für Jahr rückt dieser Tag im Kalender weiter nach vorne. Global gesehen verbrauchen wir derzeit rein rechnerisch 1,7 Erden. In Deutschland sieht es noch düsterer aus. Lebten alle so wie wir, dann wäre die Uhr schon längst abgelaufen, denn wir verbrauchen gar 2,5 Erden. Der Mehrverbrauch ist möglich, weil wir mehr CO2 in die Atmosphäre ausstoßen als unsere Ozeane und Wälder absorbieren, weil wir schneller fischen, als sich die Fischbestände erholen, und wir Bäume schneller fällen, als sie nachwachsen.

Wir leben auf Pump

Nicht nur ökonomisch leben wir seit Jahrzehnten auf Pump. Die öffentliche Hand ist überschuldet, über eine Rückzahlung dieser Schulden wird überhaupt nicht mehr diskutiert. Gleiches gilt global gesehen für unser Ökosystem. Wir überschreiten an vielen Stellen beständig Grenzen und sorgen so für ein wachsendes Ungleichgewicht in der fragilen Balance von Leben und Leben lassen auf unserem Planeten. Natürlich ist es möglich, diesen Trend umzukehren und dazu könnten wir alle beitragen. Das Global Footprint Network hat die Berechnung des ökologischen Fußabdrucks entwickelt. In diese Berechnung fließt der Bedarf an Acker- und Weideland, Wäldern und Fisch sowie der Platzbedarf für Infrastruktur mit ein. Dieser wird dem Vermögen der Ökosysteme gegenübergestellt, Ressourcen aufzubauen und Müll aufzunehmen.

Durch eine Halbierung unserer weltweiten Nahrungsmittelabfälle beispielsweise würde das Datum um 11 Tage in die Zukunft verschoben, durch eine Halbierung unseres CO2-Ausstoßes sogar um 89 Tage. Hier sind wir alle gefordert, denn es sind ja nicht die Länder des Südens, die hier Entwicklungsbedarf haben. Indien beispielsweise verbraucht derzeit noch nicht den ihm rechnerisch zustehenden Anteil der globalen Ressourcen. Wenn wir aber nicht glaubhaft vorleben, dass wir uns von dieser zerstörerischen Lebensweise abwenden, dann gibt es auch keine Argumente diesen Staaten zu verbieten, unseren Lebensstandard anzustreben. Noch immer ist dies der Traum vieler hundert Millionen Menschen, die Not und Elend erleiden. Und wer will ihnen das verdenken?

Wir brauchen eine neue Visiondes „guten Lebens“

Wir sind es also, die sich entwickeln müssen, wenn wir nicht wollen, dass alle weiter den Traum vom westlichen Leben im Überfluss träumen. Dabei ist längst klar, dass uns dieses Streben nach Reichtum nicht glücklicher gemacht hat. Wir brauchen eine neue Vision für den Traum, wie Glück sich in unserer Gesellschaft manifestiert. Mehrheitlich haben wir wohl große Angst vor diesen Veränderungen, schließlich gehören wir global gesehen zu einer kleinen Elite, die zu den Gewinnern dieses Systems zählt. Wir verbinden diese notwendigen Entwicklungen mit Verzicht und wirtschaftlichem Niedergang. Dabei argumentieren wir immer so, als ob wir in einem funktionierenden System leben würden. Das mag sich, wenn wir das am Wohlstand messen, für eine kleine Minderheit weltweit so anfühlen. Erst wenn wir uns von diesem Trugschluss eines funktionierenden Systems verabschieden können, wird es möglich sein, Veränderung im breiten gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss auf die persönliche und politische Agenda zu bringen.

Es gibt hierkeine einfachen Antworten und wir werden diesen Umbau am lebenden Objekt durch Ausprobieren lernen müssen. Aber ist uns das die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder nicht wert? Ein paar Vorschläge, wie wir alle schnell einen Beitrag dazu leisten können: Der wohl größte Hebel liegt in der Frage: Will ich Nutzer oder Besitzer von Dingen sein? Unsere Häuser sind voll von Dingen, die wir kaum oder nie benutzen. Wir kaufen sie uns, weil wir es uns leisten können. Werkzeuge, Bücher, DVDs, Spiele, Schränke voller Kleider etc. Stellen Sie sich doch vor jedem Kauf erst einmal die Frage, wie oft Sie diese Dinge wirklich benutzen würden. Fangen Sie an zu teilen und zu tauschen. Das stärkt unsere Gemeinschaft und reduziert unseren ökologischen Fußabdruck.

Ein weiterer Aspekt ist unser Abfallvolumen. Packen Sie sich zum Beispiel Ihre Einkaufstasche mit Baumwollbeutel für die Bäckerei, Netzen für Gemüse und einer Dose für Fleisch, Eier etc. vor. Ich bin mir sicher, Sie wissen selbst am besten, wo Sie damit anfangen können, Ihren globalen Fußabdruck zu reduzieren und so einen Beitrag zu einem neuen guten Leben für alle auf diesem Planeten einzuleiten. Wie schrieb Erich Kästner einst: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“.

Herzliche grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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