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Essen ohne Gentechnik

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Essen ohne Gentechnik

Die gentechnikfreie Erzeugung von Lebensmitteln in Deutschland und Europa sowie reines Saatgut sind akut bedroht. Das kann auch eine Gefahr für den Ökolandbau bzw. den Bio-Sektor werden: Denn die Kennzeichnung von Lebensmitteln, bei denen die sogenannte „Neue Gentechnik“ zum Einsatz kommt, ist gesetzlich noch nicht klar geregelt.

Obwohl die neuen gentechnischen Verfahren, die auch mit dem Sammelbegriff „Genome Editing“ bezeichnet werden, unter die gesetzliche EU-Definition von Gentechnik fallen, werden sie aktuell nicht als Gentechnik-Verfahren behandelt. Warum? Die zugrundeliegende EU-Verordnung trat bereits 2003 in Kraft. Damals vor 15 Jahren kannte der Gesetzgeber diese neuen Verfahren noch nicht.

Ohne eindeutige gesetzliche Regelung sind die neuen Gentechnik-Verfahren allerdings keiner Prüfung auf mögliche Risiken für Gesundheit und Umwelt unterworfen und die durch sie veränderten Produkte landen ohne Zulassungsverfahren, ohne Kennzeichnung und ohne Möglichkeit einer Rückverfolgung auf dem Acker und später auf unserem Teller.

Wie funktioniert Genome Editing?

Genome Editing greift mit einer sogenannten „Gen-Schere“ direkt in das Erbgut von Lebewesen ein und verändert dieses ganz gezielt. So können Gene beispielsweise auch deaktiviert, entfernt oder ausgetauscht werden – durch artengleiche und sogar artenfremde Gene. Solche Verfahren heißen beispielsweise Zinkfinger, OGM oder CRISPR/Cas9. Mit CRISPR/Cas experimentieren Wissenschaftler schon heute nicht nur an Pflanzen, sondern auch an Nutztieren. Pflanzen für die Landwirtschaft sollen beispielsweise ertragreicher und widerstandsfähiger gegen Schädlinge, Hitze oder Wassermangel werden, Nutztiere mehr Muskelmasse ansetzen. Und auch der Mensch rückt bereits in den Fokus: In der Medizin verspricht man sich durch Genome Editing neue Behandlungsmöglichkeiten von Erkrankungen wie z. B. Krebs oder Erbkrankheiten.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Beim Genome Editing kann es allerdings auch zu ungewollten Nebeneffekten kommen, auch wenn der Einsatz der „Gen-Schere“ gerne mit einem präzisen chirurgischen Eingriff verglichen wird. Die DNA hat eine sehr komplexe Struktur: Veränderungen in einzelnen Abschnitten ohne die Regulierung durch natürliche Zellmechanismen können auch weitere, nicht beabsichtigte Effekte an anderer Stelle der DNA auslösen. Diese sogenannten unerwünschten „Punktmutationen“ können unbemerkt 100- oder sogar 1000-fach stattfinden und unabsehbare Risiken nach sich ziehen.

Für Bio-Akteure gilt laut Artikel 9 der EU-Ökoverordnung ein Gentechnik-Verbot. Trotzdem könnte eine Auseinandersetzung mit CRISPR & Co. unfreiwillig notwendig werden: In den USA wurden z. B. Gerste, Mais, Soja, Champignons oder Kartoffeln in ersten Freisetzungsversuchen bereits mit Genome Editing verändert. Die ersten Produkte für den Markt sind für 2021 angekündigt. Solange aber keine klare Regelung auf EU-Ebene vorliegt, fordert der BUND Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW): mit Genome Editing veränderte Organismen, die derzeit durch Einzelfallentscheidungen und nationale Alleingänge ohne Kennzeichnung auf den Markt gelangen können, dürfen nicht in die Umwelt entlassen werden, um keine schleichende Kontamination zu riskieren. Von der für Frühjahr 2018 erwarteten Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs wird es abhängen, wie die EU-Kommission die neuen Gentechnik-Verfahren künftig regelt.

JETZT handeln!

Die Aktion „FOODprint – Ich stehe auf Essen ohne Gentechnik“ möchte schon jetzt handeln, bevor es zu spät ist. Dafür haben sich auf Initiative von Bio-Lebensmittel-Hersteller Rapunzel Naturkost hin wichtige Akteure, Vereinigungen und Pioniere aus der Bio-Branche zu einem breiten Bündnis zusammengeschlossen. FOODprint fordert u. a., neue Gentechnik-Verfahren eindeutig zu regulieren, Lebensmittel mit neuer Gentechnik klar zu kennzeichnen und unabhängige Risikoforschung sowie gentechnikfreie Züchtung gleichwertig zu fördern.

Helfen Sie mit, Saatgutvielfalt und eine gentechnikfreie Welt zu erhalten. Sammeln Sie Unterschriften – online oder offline! Drucken Sie sich entweder die Unterschriftenliste aus und senden Sie diese bis zum 30. April 2018 an Rapunzel Naturkost GmbH, Rapunzelstr. 1, 87764 Legau. Oder verteilen Sie den Link zur Online-Petition in Ihren Netzwerken. Alle Infos finden Sie unter www.rapunzel.de/foodprint.

Herzliche Grüße

Christine Fröhlen für die ebl-Redaktion

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