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Essen ist politisch!

  • Wir haben es satt!

    Wir haben es satt!

Essen ist politisch!

Gutes Essen, eine klimagerechte Landwirtschaft und der Erhalt der Höfe - das steht gerade auf dem Spiel! Deshalb setzen sich am Samstag, 19.01. in Berlin bei der Demo "Wir haben es satt!" wieder Landwirte, Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbände sowie Bürger/innen gemeinsam gegen die Agrarindustrie, gegen Massentierhaltung und für eine Agrarwende ein.

Während sich bei der weltgrößten Agrarmesse "Grüne Woche" vom 18.-27.01.2019 und dem Agrarministergipfel alles um die Zukunft von Essen und Landwirtschaft dreht, fordern die Demonstranten gemeinsam den Umbau der Landwirtschaft unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt - Essen ist politisch!". Doch worum geht es bei der Demo genau?

Mit jährlich 60 Mrd. Euro entscheidet die Gemeinsame EUAgrarpolitik (GAP) darüber, welche Landwirtschaft sich in Europa lohnt. Wie Tiere gehalten werden, ob die Böden fruchtbar bleiben und die Artenvielfalt sowie Regionen gestärkt oder das Klima geschützt wird und die Bauern von ihrer Arbeit leben können, hängt maßgeblich von der GAP ab. Alle sieben Jahre wird die GAP reformiert, derzeit verhandeln Mitgliedsstaaten und EU-Parlament über die Agrarförderung nach 2020.

Was vielen nicht bewusst ist: In der GAP als größtem Gemeinschaftsprojekt der EU landen 40 % aller Steuergelder, die in die Europäische Union investiert werden können. Mit über 60 Mrd. Euro unterstützt Brüssel Jahr für Jahr Europas Bauern, der Anteil der Bundesrepublik beträgt mehr als satte 6 Mrd. Euro - jeder Bürger in Deutschland zahlt durchschnittlich 114 Euro jährlich in die europäische Agrarkasse ein. Sollten wir da nicht gezielter steuern, was mit unseren Steuergeldern für die Zukunft unserer Landwirtschaft und Umwelt geplant wird?

Die GAP ist ein sehr mächtiges Instrument. Aktuell allerdings gilt nur: Wer viel Land besitzt, bekommt viel Geld. Ob Landnutzer oder -besitzer verantwortungsvoll wirtschaften oder nicht, spielt beim wesentlichen Teil der Agrarzahlungen kaum eine Rolle. Klar ist: modern, nachhaltig und enkeltauglich ist diese Agrarpolitik nicht. So durchkreuzt die Europäische Union mit der GAP aktuell ihre eigenen Ziele, zu denen sich die Staatengemeinschaft mit Blick auf das Klima, die Umwelt, Artenvielfalt oder lebendige Dörfer verpflichtet hat. Das Ergebnis der verfehlten Agrarpolitik ist fatal: Bauernhöfe müssen schließen, die Artenvielfalt schrumpft, an vielen Brunnen überschreitet Nitrat die Grenzwerte. Ein Kurswechsel drängt, das sagen auch die wissenschaftlichen Berater des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Denn eine umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft brauchen alle Menschen, die gesund leben und essen wollen, sowohl heutige als auch künftige Generationen. Deswegen wird auf der Demo in Berlin auch lautstark auf Töpfen Alarm geschlagen, sozusagen als Weckruf für die dringend notwendige Agrarwende.

Mehr Gerechtigkeit für Mensch,Tier und Klima

Die monatelange Dürre im Sommer 2018 hat gezeigt: Die Klimakrise ist in Europa angekommen. So geht es nicht weiter! Für einen konsequenten Klimaschutz brauchen wir noch mehr bäuerliche Betriebe, die regionale und saisonale Lebensmittel erzeugen und umwelt- und klimaschonende, also ökologische Landwirtschaft betreiben. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass außerlandwirtschaftliche Investoren mit EU-Subventionen immer mehr Land an sich reißen und so unabsehbare soziale sowie ökologische Folgen verursachen, wie z. B. weiteres Höfesterben, Monokulturen, Bodenerosion, Megaställe und Antibiotikaresistenzen.

Auch unsere Regierung hat sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, 20 % Öko-Flächen bis 2030 zu erreichen. Doch wie muss eine neue GAP aussehen, damit diese Verpflichtung noch eingehalten werden kann? Ziel der reformierten GAP nach 2020 muss es sein, Landwirte mit Agrargeldern zu unterstützen, die mehr für die Gesellschaft leisten, indem sie z. B. das Wasser schützen, den Boden fruchtbar erhalten, insektenfreundliche Landschaften schaffen, ihre Tiere artgerecht halten oder auch Arbeitsplätze schaffen - ganz nach dem Prinzip "öffentliches Geld für öffentliche Leistungen".

Die oben genannten Forderungen können auch alle, die nicht in Berlin dabei sein können, im Alltag mit ihrem (Einkaufs-)Verhalten unterstützen. Immer mehr Menschen entscheiden sich für gutes, handwerklich erzeugtes Essen, wo möglich aus der Region und aus ökologischer Landwirtschaft. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern ackern ohne Glyphosat, halten ihre Tiere artgerecht und füttern gentechnikfrei. So treten wir gemeinsam ein für die globale Agrar- und Ernährungswende - für Menschen, Tiere und Umwelt und eine enkeltaugliche Zukunft.

Herzliche Grüße

Christine Fröhlen für die ebl-Redaktion

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