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Die Natur atmet auf

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    Die Natur atmet auf

Die Natur atmet auf

Weltweit hat sich in den letzten Wochen die Luftqualität messbar, ja meist sogar sichtbar verändert. Wenn ich beispielsweise während meines Langzeitaufenthalts hier in Lima, Peru, derzeit des Nachts hoch in den Himmel schaue, sehe ich zum ersten Mal einen wunderbaren Sternen­himmel. Das gab es vor Corona nie, bisher waren selbst in den klarsten Nächten nur die allerhellsten Sterne zu sehen.

Schaut man sich Luftaufnahmen der Provinz Wuhan, dem Epizentrum der Pandemie in China, von 2019 und 2020 im Vergleich an, so sieht selbst das ungeschulte Auge die ekla­tanten Unterschiede in der Luftqualität. Die Stickstoff­dioxidbelastung (das Gas, das beispielsweise von Kraftfahrzeugen, Industrieanlagen etc. ausgestoßen wird) ging in den Ballungsräumen Chinas durch die Corona-Maßnahmen um bis zu 30 Prozent zurück. Alleine an diesem Umweltgift erkranken Jahr für Jahr Millionen von Menschen. Aber auch an anderen Stellen bekommt unsere geschundene Umwelt eine Atempause. Vielleicht ist es ja gut, gerade in Zeiten dieser globalen Krise, auch diese Aspekte der Pandemie einmal in den Blick zu nehmen, denn wie so oft, wo Schatten ist, ist irgendwo meist auch Licht.

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind nicht übertragbare Krankheiten (z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Lungenerkrankungen) weltweit die Haupttodesursache. Ein Faktor für diese Krankheiten sind die Umweltbedingungen, in denen wir leben. Die Lancet-Kommission schätzt, dass weltweit etwa neun Millionen überzählige Todesfälle auf verschlechterte Umweltbedingungen zurückzuführen sind, von denen etwa die Hälfte auf die Luftverschmutzung (im Freien) zurückzuführen ist. Aber das ist nur eine von vielen, kaum beachteten Begleiterscheinungen der derzeitigen massiven Einschränkungen in unserem Leben weltweit.

Das Magazin National Geographic hat die kurzfristig positiven Auswirkungen der Pandemie, soweit sie sich nach so kurzer Zeit überhaupt schon ermessen lassen, gut zusammengefasst. Dr. Johannes Schuler, Projektleiter für Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung erklärt dort: „Für die Umwelt ist das Virus eine Wirtschaftskrise mit positiven Auswirkungen: Durch den Stillstand der Industrie entstehen weniger Einträge in die Böden und Gewässer, weniger Verschmutzung und der Rohstoffverbrauch sinkt mit dem Rückgang der Produktion“. Zudem verbrauchen wir weniger Öl und weniger Strom, wir fliegen nicht mehr und auch sonst ist die Mobilität massiv eingeschränkt. Alleine in Deutschland könnten laut Hochrechnungen von Agora Energiewende, einem unabhängigen Denklabor, das sich den Klimazielen der Bundesregierung verschrieben hat, 30 bis 100 Millionen Tonnen CO2 verglichen zum Jahr 2019 eingespart werden. Freilich ist das alles noch kein Grund zu feiern.

Wir erleben durch die Pandemie gerade im Eiltempo, dass es für viele klimaschädliche Verhaltensweisen durchaus Alternativen gibt. Wir können z. B. Termine online durchführen und wir können oftmals auch von zu Hause unserer Arbeit nachgehen. Das sind alles keine neuen Erkenntnisse, aber viele dieser kleinen Maßnahmen erzeugen sehr positive Effekte für Umwelt und Klima. Für das Retten von Menschenleben ist es der Staatengemeinschaft wert, all diese unbequemen Maßnahmen, die ja unbestreitbar auch viele negative Nebenwirkungen haben, durchzuführen.

Der Zusammenhang von Ursache und Wirkung unseres Handelns ist wohl noch nie so unmittelbar sichtbar geworden wie in diesen Tagen. Nun will sicherlich niemand, dass wir so dauerhaft weiterleben. Ich auch nicht. Es wäre aber zu hoffen, dass wir alle auch nach dieser Krise maßvoller mit unseren Ressourcen umgehen. Wir haben gezeigt, zu was wir bereit sind, um Menschenleben zu retten! Auch das ist keine neue Erkenntnis, so deutlich wurde es uns aber wohl noch nie vor Augen geführt. Es bleibt also für jeden von uns die Frage, ob wir aus dieser Krise auch in Sachen Umwelt- und Klimaschutz langfristig etwas lernen werden, denn es ist unzweifelhaft, dass das Bedrohungspotential durch die Klimakrise für Mensch und generell Leben auf unserem Planeten um ein Vielfaches höher ist, als es diese Pandemie je sein könnte.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun von bluepingu e. V. für die ebl-Redaktion

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