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Die Beerenbauern und die Molkerei Schrozberg

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Die Beerenbauern und die Molkerei Schrozberg

Ebermannstadt ist wohl die fränkische Bio-Marmeladen-Hauptstadt. Seit 1996 sind hier die Beerenbauern zu Hause. Aus diesem Betrieb heraus ist mittlerweile ein vorbildliches Netzwerk regionaler Wertschätzung entstanden.

Da sind zum einen die vielen Obstbauern – wenn möglich, aus der Region – zum anderen beliefern die Beerenbauern die Molkerei Schrozberg, die selbst wiederum ein Netzwerk mit Demeter-Milchbauern aufgebaut haben. Ich habe mich mit Birgit Bertelshofer von den Beerenbauern getroffen, die gemeinsam mit ihrem Mann Tom vor über 30 Jahren dieses kleine Stück Demeter-Glück mit Blick auf das Walberla und die Wiesent gegründet hat. Dabei habe ich einiges dazugelernt, z. B., dass das fränkische Universalwort „Marmelade“ für alles Fruchtige, das aufs Brot kommt, in den meisten Fällen falsch ist. Treten Sie ein in die gute Stube und seien Sie gemeinsam mit mir zu Gast in einem Netzwerk regionaler Wertschätzung.

Leben im Wandel – vom Krankenhaus aufs Feld

Mit 27 Jahren hat Birgit noch mal von vorne angefangen und sich gemeinsam mit ihrem Mann Tom den Traum von einer eigenen Landwirtschaft verwirklicht. Als Krankenschwester und Maschinenbauingenieur waren die beiden echte Quereinsteiger. Schnell war für sie klar, bio-dynamische Landwirtschaft nach Demeter, genau so und nicht anders wollten sie arbeiten. Damals begegneten sie auch Gerhard Bickel von ebl-naturkost zum ersten Mal. Die Wurzeln für eine langjährige Partnerschaft waren gelegt. 1996 gründeten Tom und Birgit dann die Beerenbauern. Los ging es mit Erdbeeren, dann Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren und Stachelbeeren. Jahr für Jahr bekamen sie Felder angeboten und haben Flächen dazu gepachtet und erweitert. Demeter sind sie dabei immer treu geblieben. Sie haben mit eigenen Händen und Augen erleben dürfen, wie sich die Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität auf ihren Grundstücken Jahr für Jahr verbesserte.

1999 war es dann soweit, die erste Ernte stand an. Leider war aber gerade dieser Sommer viel zu nass und kalt. Schnell war klar, ein Großteil der Beeren würde sich nicht verkaufen lassen. Die beiden machten aus der Not eine Tugend. Wenn sie nicht alles als Obst verkaufen können, würde es eben auch noch Marmelade geben. Schnell korrigiert Birgit sich: „Nicht Marmelade, sondern Fruchtaufstrich muss es heißen“, und lacht. Kennen Sie den Unterschied? Marmelade heißt es nur, wenn sie aus Zitrusfrüchten hergestellt wurde, sonst ist die korrekte Bezeichnung, je nach Zuckeranteil, Konfitüre oder Fruchtaufstrich. Das Geschäft mit den Fruchtaufstrichen war ein Renner. So stand bald die Entscheidung an: Beerenbauer oder Fruchtaufstrich-Manufaktur? Sie entschieden sich für Zweiteres und gaben nach und nach ihre Flächen ab. So entstand ein regionales Netzwerk vom Feld direkt ins „Marmeladen-Glas“. ebl-naturkost war übrigens der erste Betrieb, den sie mit ihren hausgemachten Fruchtaufstrichen belieferten.

2010 stand der Betrieb dann einer Wegkreuzung, er platzte aus allen Nähten. Es war klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Entweder größer werden oder zurückfahren. Sie entschieden sich für Ersteres und bauten eine große Produktionshalle in Holzbauweise mit moderner Technik unweit des ersten Standortes. Heute beschäftigen die Beerenbauern 10 Mitarbeiter/innen. Einige davon sind von Anfang an mit an Bord. „Wir sind eher eine Familie als ein Betrieb“, so erzählt Birgit mir. 27 Sorten umfasst mittlerweile das Beerenbauern-Sortiment, vom klassischen Erdbeer-Fruchtaufstrich bis zur etwas exotischeren Mischungen wie Mango-Bitterorange. Bei den Beerenbauern läutet das Telefon im Betrieb oft zur Frühstückszeit. Live vom Frühstückstisch geben dann Kunden ihr Lob weiter. „Das sind die schönsten Momente in unserem Alltag.“, so die Bertelshofers. Guter Geschmack und Zukunftsfähigkeit muss eben kein Widerspruch sein.

Ihre Fruchtzubereitungen liefern die Beerenbauern z. B. auch an die Molkerei Schrozberg. Seit der Gründung im Jahr 1900 wird die Molkerei als Genossenschaft Hohenlohe-Franken eG geführt. Sie verarbeitet seit 40 Jahren Demeter-Milch und zählt zu den Pionieren der Bio-Branche. Derzeit liefern pro Jahr rund 100 Demeter-Bauern und -bäuerinnen rund 21 Millionen Liter Milch, ausschließlich von Kühen mit Hörnern. Regionalität spielt in der Schrozberger Molkereigenossenschaft schon immer eine wichtige Rolle. Die Beerenbauern-Joghurt-Linie bildet einen besonderen regionalen Wertschätzungskreislauf: Milch, Früchte und die Verarbeitung - alles regional verankert, partnerschaftlich und zu fairen Preisen.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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