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Der wahre Preis unserer Lebensmittel

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    Der wahre Preis unserer Lebensmittel

Der wahre Preis unserer Lebensmittel

Sparen ist an sich eine gute Sache - solange es z. B. Posten wie Energie, Ressourcen oder Ausgaben für überflüssige Dinge betrifft. Aber können wir es uns in der heutigen Zeit wirklich noch leisten, gerade an den Ausgaben für unsere Lebensmittel zu sparen?

Denn sagen uns unglaubliche Lebensmittel-Schnäppchen und Fleisch zu Dumping-Preisen die ganze Wahrheit? Oder zahlen wir alle am Ende einen viel höheren Preis, weil die wirklichen Kosten erst im Nachhinein sichtbar werden?

Zu den nicht in Billig-Angeboten eingepreisten Folgekosten zählen nicht nur Umweltverschmutzung, Klimaerwärmung und Sterben der Artenvielfalt, die inzwischen allgemein bekannt sind. Auch auf den ersten Blick nicht erkennbare, aber gravierende Auswirkungen gehören dazu, wie z. B. ernährungsbedingte Gesundheitsprobleme durch nährstoffärmere und belastete Nahrungsmittel, der unwiederbringliche Verlust von fruchtbarem Boden oder die Ausbreitung antibiotikaresistenter Keime.

Etwa die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Entsprechend groß und vielseitig sind die Auswirkungen auf unsere Umwelt: Durch die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft werden beispielsweise Böden und Grundwasser mit Kunstdünger und Pestiziden belastet. Die Nitratwerte in unseren Gewässern steigen und Monokulturen sowie ein giftiger Cocktailaus chemisch-synthetischen Ackergiften sind mitverantwortlich für den Verlust der natürlichen Artenvielfalt. Massentierhaltung führt zu steigenden Futterimporten aus Übersee, die dort massive Umweltzerstörungen bewirken. Gentechnik kann oft nicht ausgeschlossen werden bzw. deren Einsatz ist nicht nachweisbar oder bekannt. Niedrige Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und immer größer werdende Konkurrenz auf dem Weltmarkt zwingen Bauern, ihre Betriebe zu vergrößern und immer mehr zu produzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. So schließt sich der Teufelskreis. Aber gibt es überhaupt einen Ausweg aus dem Dilemma?

Die Chance für Mensch, Tier und Klima

Die monatelange Dürre im Sommer 2018 und der superheiße Juni 2019 haben gezeigt: Die Klimakrise ist in Europa angekommen. So geht es nicht weiter! Für einen konsequenten Klimaschutz brauchen wir noch mehr bäuerliche Betriebe, die regionale und saisonale Lebensmittel erzeugen und umwelt- und klimaschonende, also ökologische Landwirtschaft betreiben. Gleichzeitig muss verhindert werden, dass außerlandwirtschaftliche Investoren mit EU-Subventionen immer mehr Land an sich reißen und so unabsehbare soziale sowie ökologische Folgen verursachen, wie z. B. weiteres Höfesterben, Monokulturen, Bodenerosion, Megaställe und Antibiotikaresistenzen.

Unsere Regierung hat sich im Koalitionsvertrag verpflichtet, 20 % Öko-Flächen bis 2030 zu erreichen. Doch wie kann diese Verpflichtung noch eingehalten werden? Ziel muss es sein, Landwirte mit Agrargeldern zu unterstützen, die mehr für die Gesellschaft leisten, indem sie z. B. das Wasser schützen, den Boden fruchtbar erhalten, insektenfreundliche Landschaften schaffen, ihre Tiere artgerecht halten oder auch Arbeitsplätze schaffen - ganz nach dem Prinzip "öffentliches Geld für öffentliche Leistungen".

Wer nachhaltig, verantwortungsvoll und ökologisch wirtschaftet, wird allerdings solange teurer produzieren, solange es anderen möglich ist, ihre Produkte grenzenlos billig anzubieten und die Folgekosten der eigenen Wirtschaftsweise der Allgemeinheit aufzubürden. Würden die Preise schon jetzt bei allen Produkten die oben genannten Folgekosten beinhalten, wären die meisten "billig" produzierten Produkte schon jetzt sehr viel teurer und würden in vielen Fällen den der nachhaltigen und ökologischen Variante sogar noch übertreffen. Das ist aber noch Zukunftsmusik.

Weralso schon heute nachhaltig besser leben und sich ernähren will, kommt deshalb nicht daran vorbei, etwas mehr Geld für wirklich gute Lebensmittel auszugeben. Wir alle können im Alltag mit unserem (Einkaufs-)Verhalten mitbestimmen, welche Entwicklung wir unterstützen. Immer mehr Bäuerinnen und Bauern ackern ohne Glyphosat, halten ihre Tiere artgerecht und füttern gentechnikfrei. Und immer mehr Menschen sehen den Mehrwert solcher Produkte für Mensch und Umwelt und sind bereit, über einen etwas höheren Preis die Mühe und den zusätzlichen Aufwand der an der Wertschöpfungskette beteiligten Landwirte oder Hersteller zu würdigen. So treten wir gemeinsam ein für die globale Agrar- und Ernährungswende und für eine lebenswerte Zukunft.

Herzliche Grüße

Christine Fröhlen (ebl-Redaktion)

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