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Das Beste, was der Mensch für sich tun kann, ist: nichts!

  • Fasten & Enthaltsamkeit

    Fasten & Enthaltsamkeit

Das Beste, was der Mensch für sich tun kann, ist: nichts!

„Tu deinem Leib des Öfteren etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat darin zu wohnen“, mahnte die spanische Mystikerin Teresa von Avila bereits vor 500 Jahren. Wobei „etwas Gutes“ damals wie heute Auslegungssache und nicht immer identisch mit „der Gesundheit förderlich“ war und ist. Gerade, wenn wir die vergangenen Festtage des alten Jahres essenstechnisch Revue passieren lassen, war „etwas Gutes“ oft gut gemeint, aber vielfach nicht gut bekömmlich. Manches hängt einem noch bis weit ins neue Jahr hinein nach – etwa als „Hüftgold“. Nicht von ungefähr kommt es, dass in den ersten Wochen des neuen Jahres die guten Vorsätze in Sachen „Abnehmen“ Hochkonjunktur haben.

Fasten ist angesagt! Aber was bedeutet „fasten“ überhaupt, dieses Enthaltsam-Sein für einen begrenzten Zeitraum, in dem Gewichtsverlust, nur eine von vielen Begleiterscheinungen ist. Fast alle Religionen zelebrieren es, die Universalgelehrte Hildegard von Bingen (1098–1179) predigte es genauso wie die Medizin und Heilkunde des 21. Jahrhunderts. Das Wort „fasten“ kommt aus dem Althochdeutschen und meint „an den Geboten der Enthaltsamkeit festhalten“. Je nach Fastenpraxis reicht der Verzicht von bestimmten Nahrungsmitteln über Alkohol oder Sexualität bis hin zum Verbot, jedwede feste Nahrung für einen bestimmten Zeitraum zu sich zu nehmen. Diese Form der Askese soll vor allem in spiritueller Hinsicht für Schärfung der Sinne und so zu einer besseren Wahrnehmung innerer und äußerer Sachverhalte verhelfen. Der Körper ist nicht damit beschäftigt zu verdauen, sondern kann sich auf „Wichtigeres“ konzentrieren.

Dieses uralte Wissen bestätigen nun auch Molekularbiologen um Professor Dr. Frank Madeo von der Uni Graz. Die Forscher haben bereits bewiesen, dass Mäuse, denen 30 Prozent weniger Nahrung verabreicht wurde, etwa um 30 Prozent länger lebten. Während der sogenannten kalorischen Restriktion, der Verminderung der Nährstoffaufnahme, setze die Autophagie ein, eine Art Selbstverdauung überflüssiger Zellbestandteile, so Professor Madeo, der Leiter der Arbeitsgruppe „Alterung und Zelltod“ an der Uni Graz. Autophagie ist – einfach ausgedrückt – dafür verantwortlich, dass schädliche Zellbestandteile, die im Alter akkumulieren, „recycelt“ werden. Fasten forciert den Abbau von „Zell-Müll“ und ebnet den Boden für neues, gesundes Zellwachstum. Wie viel Fastenzeit nötig ist, um die Autophagie auszulösen, ist noch unklar „Irgendetwas zwischen zwei Mahlzeiten am Tag oder jeden zweiten Tag eine Mahlzeit scheint gesund zu sein“, so Dr. Frank Madeo gegenüber der APA (Austria Press Agentur). Diese Form der Enthaltsamkeit könne dem Molekularbiologen zufolge nicht nur das Leben verlängern, sondern auch altersassoziierte Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alzheimer oder Krebs in Schach halten.

Und nicht nur diese Erkenntnisse erklären den seit längerem anhaltenden Hype um intermittierendes Fasten (Intervallfasten). Die häufigste propagierte Methode von Intervallen ist die 16:8-Methode. Hier beginnt nach einer 16-stündigen Nahrungs-Karenzzeit (Verzicht auf Essen) eine 8-stündige Phase, in der gegessen werden darf. Wenn man Frühstück oder Abendessen weglässt und die Nachtruhe miteinbezieht, ist diese Form des Fastens ohne größere Schwierigkeiten in fast jeden Alltag integrierbar. Intervallfasten ist daher beliebt, da man nicht von heute auf morgen seine Ernährung komplett umstellen muss, was man aber tun sollte, wenn man seinem Körper und seiner Seele etwas Gutes tun will. Und obwohl alle wissen, dass es nicht ausschlaggebend ist, was wir zwischen Weihnachten und Silvester essen, sondern das zählt, was wir zwischen Silvester und Weihnachten essen, gelingt der Ausstieg aus schlechten Essensgewohnheiten nicht so leicht. Aber nur damit sei langfristig ein Blumentopf zu gewinnen schreibt Autor Slaven Stekovic in seinem Buch „Der Jungzelleneffekt“. „Unser Körper ist in der Lage, mit Stress und Alterung alltäglich umzugehen. Er ist nur ein fauler Sack. Mit Fasten können wir aus ihm einen Super-Performer machen!“, sagt Dr. Stekovic. „Das Beste, was der Mensch für sich tun kann, ist: nichts“, meint der 28-jährige Molekularbiologe und stimmt dabei auch das Hohe Lied aufs Fasten an.

Ein Beitrag der Redaktion Lebenslinie für ebl-naturkost
(www.lebenslinie-magazin.de)

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