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Bitte umsteigen

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Bitte umsteigen

Unsere Luftqualität hat sich in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen verbessert. Immer neue Technologien haben Industrie, Haushalte und Autoverkehr sichtbar sauberer gemacht. Aber eben nur sichtbar. Der jüngste Dieselskandal zeigt aber genau das Problem.

Denn ob Normen eingehalten werden, ist für das menschliche Auge längst nicht mehr sichtbar. Da rußt eben nicht mehr der Dreck aus dem Auspuff, um uns vor schlechter Luft zu warnen. Wir haben Belastungen für unser Auge unsichtbar gemacht: Feinstaub, Mikroplastik und Nanopartikel sind nur einige der unsichtbaren Bedrohungen unserer Zeit. Zudem haben wir diese technologischen Verbesserungen von Verbrennungsmotoren etc. in vielen Bereichen kompensiert, indem wir die Dinge mehr benutzen. Fuhren beispielsweise 1960 in Deutschland noch rund 8 Millionen PKW, so waren es 1980 bereits 27 Millionen. 2018 sind es 56 Millionen Fahrzeuge, Tendenz Jahr für Jahr weiterhin steigend. Und eines dürfte allen klar sein: Weniger Schadstoffausstoß heißt nicht Null Schadstoffe. Mehr Fahrzeuge heißt in Summe dann auch mehr Belastung für die Umwelt bei Produktion und Nutzung. Das gilt natürlich nicht nur fürs Auto, aber gerade bei diesem Thema gäbe es auch ohne weiteren technologischen Fortschritt schon vielfältige Handlungsoptionen.

Denken wir zunächst mal an den Platzverbrauch. Rechnet man hoch, wie viel Platz 60 Menschen im Auto verbrauchen, so sind das 414 qm, die gleiche Anzahl Personen würde mit dem Fahrrad gerade einmal 58 qm verbrauchen, mit einem Stadtbus sind es gar nur 6,6 qm.  Hierbei ist auch die Nutzungsdauer mit eingerechnet, denn statistisch stehen PKW 23 Stunden am Tag.  Ein PKW belegt eine Fläche von 10 qm. Damit stellen wir also 56 Millionen Mal unsere Städte voll, um es eine Stunde am Tag zu bewegen. Macht das wirklich Sinn? Würde man die Zahl der PKW in Nürnberg beispielsweise von 287.000 auf 148.500 halbieren, so würden dadurch rund 1,5 Millionen Quadratmeter Fläche frei für mehr Grün, mehr Begegnungsräume oder andere Nutzung.

Bitte Platz machen

Bedenkt man, dass ein durchschnittlicher PKW in Deutschland gerade einmal eine Stunde am Tag bewegt wird, bietet sich hier viel Raum für Optimierung. Die vielfältigen Carsharing-Angebote zeigen hier, wie es gehen könnte, wenn es denn tatsächlich mal ein Auto sein muss. In vielen Städten gibt es mittlerweile zudem Fahrrad-Verleihsysteme, um das Auto z. B. an einem Park & Ride Parkplatz stehen zu lassen und dann mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln weiterzufahren.

Ein kreatives Format, um das Fahrrad als Alternative auf den Straßen mal richtig sichtbar zu machen, ist die Critical Mass (engl., dt. kritische Masse). In Nürnberg startet die Aktion jeden letzten Freitag im Monat vor dem Opernhaus. Das Format ist eine weltweite Bewegung, bei der sich nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer (hauptsächlich Radfahrer) unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen Fahrten durch Innenstädte durch konzentriertes Auftreten von Fahrrädern auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen. Rechtlich ist es so, dass mehr als 15 Radfahrer nach § 27 StVO einen geschlossenen Verband bilden dürfen, der allerdings als solcher für andere Verkehrsteilnehmer deutlich erkennbar sein muss. Diesen Passus nutzt die Critical Mass aus, um die Straßen einmal im Monat für den Radverkehr zu erobern.

Auch die bundesweite Initiative für kostenlose Lastenräder zeigt Alternativen zum Autoverkehr auf. Ziel ist es, flächendeckend Lastenräder für den Transport ausleihbar zu machen und so auch hier eine Alternative zum Autoverkehr zu schaffen. Unter https://lastenradfueralle.de/ können Sie sich z. B. in Nürnberg ein Lastenrad ausleihen und weitere Informationen zu diesem Projekt finden.

Aber nicht nur wegen der Abgase lohnt es sich umzusteigen. So ist auch der Reifenabrieb gemäß einer aktuellen Studie des Fraunhofer Institutes einer der Hauptverursacher von Mikroplastik-Emissionen gefolgt von der Freisetzung bei der Abfallentsorgung. Rund ein Drittel der Mikroplastik-Emissionen entfallen der Studie zufolge darauf. Sie sehen, es gibt vielfältige Gründe, das eigene Mobilitätsverhalten ressourcenschonender zu gestalten. Das hilft nicht nur unserer Gesundheit, sondern schafft uns neue Räume, gerade auch in den Ballungsgebieten.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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