Artikelarchiv
Auf die eigenen Sinne verlassen

  • Verschwendung vermeiden

    Verschwendung vermeiden

Auf die eigenen Sinne verlassen

11 Millionen Tonnen Lebensmittel landen gemäß dem Bundeszentrum für Ernährung (BZFE) jährlich alleine in Deutschland in der Abfalltonne statt im Magen. Und da sind die Verluste, die schon in der Landwirtschaft entstehen, noch nicht einmal mitgerechnet.

Das ist sowohl ethisch als auch ökologisch eine Bankrotterklärung, denn gleichzeitig stirbt laut der Welthungerhilfe alle zehn Sekunden ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit sind unterernährt. Klar, unsere Verschwendung hier löst nicht die Mängel anderorts, aber ökologisch und moralisch sollte es unser Ziel sein, eine 0-Abfall-Küche zu Hause zu führen, was Lebensmittel betrifft. Das gilt für den Einzelhandel genauso wie für Privathaushalte. Möglich ist das allemal, wenn wir ein wenig vorausplanen und die ein oder andere Gewohnheit einfach hinter uns lassen.

Der weitaus größte Teil der Lebensmittelverschwendung wäre durch etwas mit- bzw. umdenken vermeidbar. Das Problem ist auch längst erkannt. Nicht umsonst ist es erklärtes Ziel aller Nationen weltweit, die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Diesem Ziel hat sich auch Deutschland im Rahmen der sogenannten Agenda 2030 verpflichtet. Aber auch vier Jahre nach der Verabschiedung der Ziele hat sich noch kaum etwas verbessert. Es gilt nun endlich den Worten Taten folgen zu lassen. Denn die drastische Reduzierung der Lebensmittelverschwendung kann nur erreicht werden, wenn alle Beteiligten mit Lösungsansätzen und eigenen Zielvereinbarungen dazu beitragen.

"Einfach selbst machen" sollte die Devise sein. Und dies kann nur gelingen, wenn das gesamtgesellschaftliche Bewusstsein für den Wert der Lebensmittel steigt. Auch der Einzelhandel ist hier gefordert. Die Gemüse- und Brotauslagen dürfen bzw. sollen abends um 20 Uhr ruhig auch mal leer sein, was verderbliche Waren anbetrifft. In dieser Hinsicht hat sich glücklicherweise in den letzten Jahren einiges getan und der weitaus größte Teil der Kunden ist mit solchen Maßnahmen auch einverstanden. Aber auch bei vorausschauender Planung lässt sich der Verkauf im Einzelhandel nie hundertprozentig planen. ebl-naturkost arbeitet deshalb seit Jahren in den Filialen mit den Tafeln zusammen, um übriggebliebene Lebensmittel so noch in die Verwertung statt in die Tonne zu bringen. Gerade bei Obst und Gemüse können wir auch bei der Auswahl mithelfen. Auch das nicht perfekte Obst und Gemüse will gegessen werden und wenn wir es ohnehin am gleichen Tag noch verkochen, sind reife Früchte oder Gemüse mit kleinen Dellen ohnehin die schmackhaftere Variante!

Auch beider Verbraucherbildung gibt es noch einiges zu tun. Noch immer verstehen viele Menschen nicht den Unterschied von Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Verbrauchsdatum. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist, wie der Name schon sagt, eine Mindestangabe. Mindesthaltbarkeit bedeutet, dass das Produkt bei richtiger Lagerung und intakter Verpackung bis zu diesem Datum in seiner Qualität unverändert bleibt, also z. B. seinen guten Geschmack, das ursprüngliche Aussehen sowie Nährstoff- und Vitamingehalt behalten sollte. Wird das MHD erreicht, ist die Haltbarkeit des Produkts also in den meisten Fällen noch nicht abgelaufen. Das MHD ist eine Herstellerangabe und der Abstand bis zu einem tatsächlichen Verderben oft sehr großzügig bemessen. Mit etwas Sensorik ist solchen Lebensmitteln der Verfall auch anzusehen bzw. zu riechen.

Nur Produkte mit einem Verbrauchsdatum, wie z. B. Hackfleisch oder frischer Fisch. sollten nach Ablauf dieses Datums unbedingt entsorgt werden. Der Aufdruck auf der Verpackung lautet "Zu verbrauchen bis ...". In der Regel betrifft das vor allem Lebensmittel aus der Kühltheke. Beim Mindesthaltbarkeitsdatum können Sie sich aber in der Regel auf Ihre Sinne verlassen und so sowohl viel Müll vermeiden als auch Ihren Geldbeutel schonen. Auch bei Festen könnten und sollten wir unsere Gewohnheiten hinterfragen. Es ist ja bislang üblich, bei Feiern eher zu viel zu planen, denn ausgehen darf auf keinen Fall etwas. Wie wäre es, wenn wir es zukünftig als Zeichen einer gelungenen Partie sehen würden, wenn alle Lebensmittel am Ende weg sind, hungrig ist dann ja doch längst keiner mehr. Oder Sie bitten die Gäste Gefäße mitzubringen und verteilen die Reste am Ende der Feier. So oder so sollte es unser gemeinsames Ziel sein, Lebensmittelabfälle zu vermeiden.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun von bluepingu e. V. für die ebl-Redaktion

Menu
Ich stimme zu.

Verwendung von Cookies

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.  Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung