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50 Jahre Demeter-Herbsttagung

  • Wir gratulieren!

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50 Jahre Demeter-Herbsttagung

Am Sonntag, 4. November feiert die Demeter-Herbsttagung 50-jähriges Jubiläum. Auch in weniger schnelllebigen Zeiten wäre es durchaus bemerkenswert, wenn ein Veranstaltungsformat sich zum 50. Mal jährt.

Das zeigt zum einen gutes Durchhaltevermögen seitens der Veranstalter, zum anderen aber auch, dass mit dem Format offensichtlich auch etwas geschaffen wurde, das in der Öffentlichkeit Interesse findet und bewegt. Der Demeter-Anbauverband hat in Nürnberg eine lange Geschichte, die mir Mitglieder des Demeter Verbrauchervereins dankenswerter Weise weitererzählt haben:

Bereits 1932 war Gretchen Weidler mit einem ersten Demeter-Stand auf dem Nürnberger Hauptmarkt vertreten. 1905 hatte die alleinerziehende Mutter von drei Kindern, geprägt durch die Reform- und Neuform-Bewegung, einen vegetarischen Mittagstisch in der Südstadt gegründet. Rudolf Steiners Ideen zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft nahm sie begeistert auf. Vermittelt durch ihren Schwiegersohn erweiterte sie ihr Marktangebot Schritt für Schritt um das Angebot weiterer Demeter-Erzeuger in der Region. Schließlich eröffnete Gretchen Weidler für ihre Tochter Luise Fischer ein Reformhaus in der Schustergasse. Die Saat für einen Austausch zwischen Erzeugern, Händlern und Verbrauchern war gelegt.

Mit dem Wunsch, in den Nachkriegsjahren wieder direkt von Demeter-Erzeugern zu beziehen, wandten sich Verbraucher an Gretchen Weidlers Tochter Luise Fischer. Ihr Ehemann Konrad übernahm die Vermittlung der Kontakte, unterstützt vom Geschäftsführer der Rudolf Steiner Schule, Dr. Ernst Bauer. Scherzhaft wurde diese frühe freie Initiative "Kartoffelverein" genannt. Doch Kartoffeln allein genügten nicht mehr. Die jungen Familien verlangten für ihre Kinder z.B. Qualitätsmilch von nicht enthornten, nach Demeter-Richtlinien gehaltenen Kühen. Schließlich organisierte der Demeter-Berater Harald Kabisch persönliche Begegnungen zwischen Demeter-Landwirten und Verbrauchern aus der Region um Nachfrage, Angebot und Verteilung besser zu koordinieren. Am 9. und 10. November 1968 fand schließlich die erste "Bauern-Tagung" als Jahresversammlung der Landwirte in Nürnberg statt. Daraus entwickelte sich über die Jahre das Format der Demeter-Herbsttagung, die seither Erzeugern, Händlern und Verbrauchern Jahr für Jahr den direkten Dialog vom Feld bis in die Küche ermöglicht.

"Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug."

Das Jubiläums-Programm bietet wieder jede Menge leibliche und geistige Impulse für einen schönen Sonntag. So stellt Glücksforscher Prof. Dr. Karlheinz Ruckriegel von der Akademie des Glücks mit einem Zitat von Epikur treffend fest: "Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug" und führt uns am Nachmittag ein in die neuesten Erkenntnisse der Glücksforschung. Glück kann man ja bekanntermaßen nicht kaufen oder verordnen, aber etwas dafür zu tun, glücklicher zu werden, ist möglich und sicherlich eine lohnende Anstrengung.

Etwas handfester geht es am Vormittag zu. "Der Weltacker- 2.000 m² für alle!", so der Titel des Vortrages von Benedikt Haerlin. Der studierte Philosoph und Soziologe engagiert sich seit vielen Jahren für ein Umdenken in der globalen Landwirtschaft. Als ehemaliger Vertreter der Nichtregierungs-Organisationen im Aufsichtsrat des Weltagrarberichts der UN und der Weltbank fordert er eine radikale Wende in der globalen Landwirtschaft, unter anderem mit dem Projekt 2000m² (www.2000m2.eu/de). 2000 m² Ackerfläche stehen heute rechnerisch jedem Menschen zur Verfügung. 2050 werden es nur noch 1500 m² sein. Was bedeutet das für die globale Gerechtigkeit, das Klima, die Bodenfruchtbarkeit und die Konsum- und Anbaugewohnheiten der verschiedenen Kulturen dieser Welt, aber auch ganz konkret für jeden einzelnen: Wieviel Quadratmeter Ackerfläche braucht z. B. mein Mittagessen oder mein Baumwoll-T-Shirt? Denn brauchen wir mehr Fläche, als uns zusteht, nehmen wir anderen, oft ärmeren Menschen in der Welt automatisch Fläche weg.

Beginnen wird der Tag um 10 Uhr mit einer kleinen Zeitreise durch 50 Jahre biologisch-dynamisches Verbraucher-, Händler- und Erzeuger-Engagement im Großraum Nürnberg durch Wolfgang Troeder vom Arbeitskreis biodynamischer Gartenbau in Nürnberg. Neben diesen spannenden Vorträgen gibt es Musik vom Arantes Quartett und ein leckeres Mittagsmahl in Demeter-Bio-Qualität. Die Herbsttagung findet am 4.11.18 von 10 - 16 Uhr im Rudolf-Steiner-Haus, Rieterstr. 20, 90419 Nürnberg statt. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, für die Verpflegung wird ein Unkostenbeitrag von 10 € berechnet. Sie sehen, es ist alles angerichtet,  um mit Herz, Kopf und Magen die Vorzüge der biologisch-dynamischen Landwirtschaft zu entdecken.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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