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Wir machen der Erde den Hof

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Wir machen der Erde den Hof

Klima, Energie, Wasser, Biodiversität, Saatgut, Boden, aber auch artgemäße Tierzucht und -haltung sind wesentliche Zukunftsthemen, an deren Gestaltung die Zukunftsstiftung Landwirtschaft arbeitet. So sollen Räume für einen nachhaltigen ökologischen Landbau geöffnet werden, um „der Erde den Hof zu machen“ anstatt „sich die Erde untertan zu machen“. Aber was genau macht eigentlich so eine Stiftung, um diesen Zielen näher zu kommen?

Saatgut ist Kulturgut. Längst aber ist Saatgut zum großen Geschäft geworden. Globale Unternehmen patentieren Saatgut, um so Monopole zu schaffen. Durch seinen Saatgutfonds fördert die Zukunftsstiftung ökologische Züchtungsprojekte. Die neu entwickelten Sorten sollen robust sein und ohne Pestizide und Kunstdünger auskommen. Sie sind weder gentechnisch verändert noch hybrid gezüchtet und selbstverständlich werden keine Patente angemeldet. Vielmehr soll Landwirt*innen und Gärtner*innen ermöglicht werden, Saatgut wieder selber nachzubauen und weiterzuentwickeln. Aber Züchtungsforschung ist arbeits- und kostenintensiv. Die Entwicklung und Forschung für eine neue ökologische Sorte kann, je nach Kultur, zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen. Ohne Unterstützung durch Stiftungen oder staatliche Hilfe ist das nicht mehr zu leisten. Deshalb unterstützt die Zukunftsstiftung eine Reihe von Initiativen, die mit ihr gemeinsam an der Umsetzung dieser Ziele arbeiten.

Ein solches Projekt ist beispielsweise Saat:gut e. V. Der Verein verfolgt unter anderem das Ziel, den freien Zugang zu Kulturpflanzen zu sichern. 2009 hatte Christiansen’s Bioland-Hof begonnen eigene Sorten zu züchten und 2010 dann Saat:gut e. V. gegründet. Hier wird samenfestes Gemüse gezüchtet: Von Pastinake über Möhre, wo es schon zugelassene Sorten wie beispielsweise die Pastinake „Schleswiger Schnee“ oder jetzt ganz neu die Möhre „Lila Lu“ gibt, bis hin zu Blumenkohl und Brokkoli, wo sich die Sorten derzeit noch im Zulassungsverfahren befinden.
Unter dem Dach des Vereins organisiert sich auch das Obstzüchtungsprojekt Apfel:gut, das sich der Neuzüchtung von Apfel- und anderen Obstsorten für den ökologischen Anbau widmet. Gegründet wurde das Projekt 2011 von Bioland- und Demeter-Obsthöfen. In einem partizipativen Züchtungsprogramm will man hier robuste, pilzwiderstandsfähige Obstsorten auf einer breiten genetischen Basis züchten, die perfekt an Klima, Standort und den Ökolandbau angepasst sind. Denn anders als im konventionellen Anbau werden im Ökolandbau keine chemisch-synthetischen Pestizide verwendet. Die für den Ökolandbau optimierten Sorten werden schließlich als Gemeingut angeboten.

Beim Forschungs- und Züchtungsbetrieb Dottenfelderhof ist aktuell die Ausbildung von Resilienz gegen die Folgen des Klimawandels, z. B. beim Getreide, eines der großen Themenfelder für die Entwicklung von Züchtungsstrategien. Hier wird bereits seit 1968 biologisch-dynamisch gewirtschaftet. Auf dem Demeter-Hof gibt es neben dem Forschungs- und Züchtungsbetrieb auch eine Landbauschule. Seit mehr als 30 Jahren findet hier Züchtung auf dem Acker statt, ganz traditionell mit den natürlichen Methoden der Auslese und Kreuzung. Auch hier gilt der Grundsatz, dass Saatgut als Gemeingut frei verfügbar sein sollte. Mit „Curier“ erhielt 2019 bereits die siebte Winterweizensorte die Zulassung. Die Sorte „Butaro“ war die erste für den Anbau zugelassene steinbrandresistente Bio-Qualitäts-Weizensorte. Auch Mais wird hier gezüchtet: So wurden z. B. beim Körnermais zwei neue Populationen selektiert, die aus der Landsorte „Roter Columbus“ hervorgegangen sind. Ziel dieses Projekts ist es zu zeigen, dass für die Entwicklung für den Anbau geeigneter Maispopulationen auf einen breiteren Genpool als die Hybrid­sorten der großen Saatgutkonzerne zurückgegriffen werden kann.

Auch wir können einen Beitrag für mehr Saatgut-Vielfalt leisten, indem wir bewusst samenfeste Produkte kaufen oder samenfestes Saatgut für unsere Gärten besorgen. Eine große Auswahl nachbaufähiger, samenfester Sorten bietet z. B. Bingenheimer Saatgut.

Herzlich grüßt
Frank Braun (freier Autor)

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