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Unser virtueller Wasserfußabdruck

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    Unser virtueller Wasserfußabdruck

Unser virtueller Wasserfußabdruck

„Virtuelles Wasser“ beschreibt, welche Menge Wasser in einem Produkt oder einer Dienstleistung enthalten ist oder für deren Herstellung verwendet wird. Mit der Berechnung des „virtuellen Wasserfußabdrucks“ lässt sich bewerten, unter welchen ökologischen Bedingungen die Produktions­bedingungen stattgefunden haben.

Die Herstellung von Waren kann Wasser auf mehrere Arten beanspruchen. Entsprechend wird nach „grünem“, „blauem“ oder „grauem“ Wasser unterschieden: Grünes Wasser ist Regenwasser, das z. B. im Boden gespeichert oder in Wasserbecken gesammelt wird. Blaues Wasser ist Wasser aus Fließgewässern, Seen und Grundwasser, das auch zur Güter­produktion genutzt wird. In der Landwirtschaft werden mit blauem Wasser die Pflanzen bewässert. Graues Wasser ist verschmutztes Wasser, z. B. durch Pestizide, Überdüngung oder industrielle Abwässer. Sein Volumen wird danach bemessen, wie viel Wasser nötig wäre, um die eingetragenen Schadstoffe so zu verdünnen, dass die Grenzwerte für Wasserqualität eingehalten werden. Die Menge an grünem, blauem und grauem Wasser, die zur Produktherstellung benötigt werden, nennt man „virtuelles Wasser“ oder auch „Wasserfußabdruck“.

Der Wasserfußabdruck wiederum setzt sich zusammen aus internen Faktoren, die die Nutzung der heimischen Wasser­vorkommen beschreiben sowie externen Faktoren, die sich auf die Nutzung der Wasserressourcen anderer Länder beziehen. Der globale Wasserfußabdruck, also die Summe aller nationalen Wasserfußabdrücke, beträgt 7.450 Mrd. Kubikmeter (m³) pro Jahr. Leichter vorstellbar wird diese Menge an Wasser, wenn man sie auf die Zahl der Einwohner eines Landes umrechnet. Weltweit liegt der durchschnittliche persönliche Wasserfußabdruck bei 1.240 m³ pro Kopf und Jahr, in Deutschland bei rund 1.500 m³ – das sind pro Tag und Person etwa 4.200 Liter.

Nahrungsmittel und andere landwirtschaftliche Produkte haben mit 86 Prozent insgesamt den höchsten Anteil am globalen Wasserfußabdruck. Dabei brauchen Obst und Gemüse generell deutlich weniger Wasser bei der Produktion als z. B. tierische Produkte. Große Unterschiede macht aber auch hier die Herkunft. Der Kauf von Obst und Gemüse der Saison aus dem Inland bzw. aus der Region ist nicht nur wasser­schonend, sondern auch insgesamt ökologisch sinnvoll.

Nahrungsmittel aus tierischen Produkten kommen nicht ohne einen hohen Wasserbedarf aus. Gerade die Intensivhaltung von Nutztieren für die Milch- und Fleischproduktion ist meist mit der Verwendung von Kraftfutter verbunden. Bei Milchprodukten errechnet sich die benötigte Wassermenge aus dem Wasserbedarf für die Futterpflanzen, für die Kuh selbst, für den landwirtschaftlichen Betrieb und für die Weiterverarbeitung der Milch. Zur besseren Vorstellung: Hinter einem Kilo Rindfleisch stehen durchschnittlich rund 15.500 Liter virtuelles Wasser, hinter einem Glas Milch mit 200 ml rund 200 Liter virtuelles Wasser. In der ökologischen Landwirtschaft ist die Fleischproduktion schon wegen der überwiegend geschlossenen Rohstoffkreisläufe deutlich wasserschonender. Dennoch sollte man sich also, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, überlegen, ob Fleisch bzw. tierische Produkte jeden Tag auf den Speiseplan gehören.

Doch tierische Produkte sind beim Wasserverbrauch nicht auf Platz 1. Überraschende Spitzenreiter bei den Nahrungsmitteln sind zwei Genussmittel, die für viele zum Alltag gehören: Im weltweiten Durchschnitt werden für die Produktion von einem Kilo Kakaobohnen bei intensivem Plantagen­anbau 27.000 Liter Wasser benötigt, für ein Kilo Röstkaffee rund 21.000 Liter, das sind etwa 140 Liter virtuelles Wasser für eine Tasse Kaffee. Ein bewusster Umgang mit Genussmitteln schont also nicht nur unsere Gesundheit, sondern schützt auch die Wasserressourcen unseres Planeten.

Erstaunliche Zahlen für den Wasserfußabdruck gibt es nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch für Industrieprodukte, die wir normalerweise nicht unmittelbar mit Wasser in Verbindung bringen. Wer jetzt neugierig geworden ist und wissen möchte, wie viel virtuelles Wasser z. B. in anderen Lebensmitteln, einem Auto oder in einem Blatt Papier steckt, findet eine Übersicht unter vdg.durstige-gueter.de/produktgalerie.html

Herzlich grüßt
Christine Fröhlen für die ebl-Redaktion

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