Artikelarchiv
Gesunde Ernährung sollte kein Privileg sein

  • Gesunde Ernährung sollte kein Privileg sein

    Gesunde Ernährung sollte kein Privileg sein

Gesunde Ernährung sollte kein Privileg sein

In 2020 wird, bedingt durch die Corona-Krise, wohl erstmals seit fast zwei Jahrzehnten die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen wieder steigen. Wieder einmal treffen auch diese Maßnahmen die Ärmsten am härtesten. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung lebt von weniger als 5,50 US-Dollar am Tag. In dieser globalisierten Welt, in der Gewinne keine Grenzen kennen, muss auch soziale Verantwortung global gültig sein. Dafür braucht es ein Umdenken. Wie das gehen könnte, zeigt das Konzept der Ernährungssouveränität.

Die Bewegung der Ernährungssouveränität ist kein neuer Gedanke. Der Begriff wurde 1996 anlässlich der Welternährungskonferenz von der internationalen Kleinbauern- und Landarbeiterbewegung „La Via Campesina“ verwendet, um politische Forderungen zu formulieren, mit denen alle Länder weltweit ihre Landwirtschafts- und Ernährungspolitik selbst verfassen könnten. Zusammengefasst geht es um das Recht aller Völker auf gesunde und kulturell angepasste Ernährung. Es geht um ein Ernährungssystem, das eine lokalisierte und nationale Wirtschaft in den Mittelpunkt stellt. Noch immer sind Kleinbauern das Rückgrat unserer Versorgung mit Lebensmitteln und doch ist deren Stimme im globalen Getöse kaum wahrnehmbar. Daher beinhaltet die Idee der Ernährungssouveränität auch Landreformen, die Achtung der Rechte von Bauern und Landarbeitern sowie das Menschenrecht auf Nahrung, die Ablehnung des Einsatzes von Gentechnik in der Landwirtschaft, den Schutz der Kleinbauern vor billigen Importen (Dumping) und soziale Gerechtigkeit.

Das Spielfeld, auf dem diese Ernährungssouveränität ausgehandelt werden muss, ist komplex und vielfältig: Machtkonzentration in der Lebensmittelindustrie, Patentierung von Lebensmitteln, Gentechnik, Agrartreibstoffe, Schutz der Rechte von Kleinbauern und vieles mehr. Die globalisierte Lebensmittelindustrie steht exemplarisch für ein Wirtschaftssystem, dass nicht dem Wohl aller Menschen dient, sondern nur einer kleinen privilegierten Schicht. Warum ist beispielsweise öko und fair immer noch die Ausnahme in den Supermarktregalen, obschon es einen breiten Konsens für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit gibt? Sollten nicht vielmehr ungesunde, ausbeuterische und Natur zerstörende Produkte entsprechend gekennzeichnet werden, um den, auf dem Kopf stehenden, Begriff von Normalität in unseren Supermärkten umzukehren?

Was können wir zu all dem beitragen?

Viele der hier aufgeworfenen Fragen brauchen sicherlich vor allem Antworten auf der politischen Bühne. Aber auch wir können unseren Teil dazu beitragen, denn am Ende ist das Konzept der Ernährungssouveränität nichts weniger als ein Neudenken unserer Idee vom guten Leben. Sie fordert, dass wir die anonymisierten Zusammenhänge von Produktion und Konsum aufbrechen und deren soziale, ökologische und ökonomischen Verbindungen verstehen lernen. Sie fordert uns auf unsere Beziehung zu Ernährung, Landwirtschaft und Natur neu zu denken. Das fängt beim bio-fair-regionalen Einkauf an und hört an der Abfalltonne auf. Klar, regional geht nicht immer, wenn wir auch weiterhin Dinge wie beispielsweise Schokolade, Kaffee oder Tee genießen wollen.

Bio und Fair ist umso wichtiger bei Produkten, deren Zutaten in Ländern angebaut werden, wo Menschen- und Umweltrechte oftmals mit Füßen getreten werden. Weitere Beiträge zur Ernährungssouveränität vor Ort sind zum Beispiel die Idee der essbaren Stadt, Ernährungsräte und die solidarische Landwirtschaft. Auch das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung, z. B. durch ein Mitmachen bei einer lokalen Foodsharing Gruppe, oder das bewusste Einkaufen von Lebensmitteln vom Vortag, oder kurz vor dem Ablaufdatum, oder von Obst und Gemüse, dass vielleicht nicht mehr ganz so perfekt aussieht, sind ein kleiner Beitrag auf dem Weg zur Ernährungssouveränität. Eines ist klar: Nur gemeinsam können wir diese Ideen Wirklichkeit werden lassen. Gesunde und nachhaltige Ernährung sollte kein Privileg sein.

Herzlich grüßt
Frank Braun von bluepingu e. V. für die ebl-Redaktion

Menu
schliessen

Verwendung von Cookies

Unsere Webseite verwendet Cookies. Diese haben zwei Funktionen: Zum einen sind sie erforderlich für die grundlegende Funktionalität unserer Website. Zum anderen können wir mit Hilfe der Cookies unsere Inhalte für Sie immer weiter verbessern. Hierzu werden pseudonymisierte Daten von Website-Besuchern gesammelt und ausgewertet.  Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung
Ablehnen Ich stimme zu