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Ein Preis als Weckruf an die Weltgemeinschaft

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    Weckruf an die Weltgemeinschaft

Ein Preis als Weckruf an die Weltgemeinschaft

Im Oktober wurde das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Das WFP ist die weltweit größte humanitäre Organisation, die sich mit Hunger befasst und die Ernährungssicherheit fördert.

Nach eigenen Angaben werden jährlich durchschnittlich 91,4 Millionen Menschen in 83 Ländern durch das WFP mit Nahrungsmitteln unterstützt. Mehr als 135 Millionen Menschen hätten 2019 an akutem Hunger gelitten, so Berit Reiss-Andersen, Vorsitzende des Nobelpreiskomitees. Dies sei die höchste Zahl seit vielen Jahren. Hauptursache seien Kriege und bewaffnete Konflikte. Deshalb verlieh das Komitee den Preis an das WFP, „für seine Bemühungen zur Bekämpfung des Hungers, für seinen Beitrag zur Verbesserung der Bedingungen für den Frieden in von Konflikten betroffenen Gebieten und als treibende Kraft bei den Bemühungen, den Einsatz von Hunger als Waffe zu verhindern“, führt Reiss-Andersen weiter aus.

Hunger hat viele Gesichter

Um das Thema Hunger differenzierter zu betrachten, unterscheiden Fachleute drei Kategorien von Hunger. Akuter Hunger, ausgelöst durch Katastrophen oder Kriege. Chronischer Hunger als Bezeichnung für einen Zustand dauerhafter Unterernährung. Hier fehlt es Menschen ganz grundsätzlich an den Mitteln, sich ausreichend und gesund zu ernähren. Das ist die am weitesten verbreitete Form des Hungers. Nach Angaben der Welthungerhilfe litten im Jahr 2019 rund 690 Millionen Menschen unter chronischem Hunger. Besonders betroffen sind Kinder: Alle zehn Sekunden stirbt laut Welthungerhilfe ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Hunger. Schließlich gibt es noch den verborgenen Hunger, eine Form des chronischen Hungers, die Mangelerscheinungen aufgrund von Essensmangel und einseitiger Ernährung erfasst.

Hunger ist oft eine Folge von Armut

Wer arm ist und kein Geld für ausreichende und gesunde Ernährung besitzt, hat oftmals auch keinen Zugang zur Gesundheitsvorsorge. Nach wie vor sind immer noch Frauen besonders davon betroffen. Um diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen, bedürfe es vor allem einer standortgerechten Landwirtschaft, so die Welthungerhilfe, denn Hunger und Armut bedingen sich gegenseitig und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Denken wir nur daran, welche Folgen Unterernährung während der Schwangerschaft für das Kind haben kann: ein geschwächtes Immunsystem, eine eingeschränkte körperliche und geistige Entwicklung und eine höhere Anfälligkeit für chronische Krankheiten im Erwachsenenalter. Unter diesen Voraussetzungen sinken auch die Chancen, dem Armutskreislauf je entfliehen zu können.

Hunger als Grund für Flucht und Migration

Hunger und Armut zwingen Menschen dazu, ihre Heimat aufzugeben. Dann landen sie in Flüchtlingslagern oder vertrauen sich dubiosen Schlepperbanden an, in der Hoffnung, anderorts besser für sich und ihre Liebsten sorgen zu können. Allerdings ist Hunger nach völkerrechtlicher Definition in der Flüchtlingskonvention kein anerkannter Fluchtgrund. Ebenso führt Wassermangel in vielen Regionen, vor allem von Afrika, dazu, dass Menschen ihre Heimat verlassen. Regenzeiten verschieben sich und werden weniger verlässlich, Dürre und Versteppung führen zu schlechten Ernten. Es liegt auf der Hand, dass in dieser globalisierten Welt irgendwie alles miteinander zusammenhängt und auch etwas mit uns selbst zu tun hat – sowohl am Anfang der Kette, z. B. als Mitverursacher des Klimawandels, als auch am Ende der Kette, bei der Frage, ob und wie viele Flüchtlinge wir in unserem Land aufnehmen wollen.

Was können wir dagegen tun?

Direkt können wir beim Thema Hunger mit Spenden helfen, indirekt können wir durch unser Konsumverhalten einen Beitrag dazu leisten, die Quellen des Problems zu verschließen, z. B. durch den Kauf bio- und fair-gehandelter Produkte aus den Ländern des Südens. Bei dieser Art der Erzeugung sind die Themen Existenzsicherung für alle am Prozess Beteiligten und der Erhalt fruchtbarer Böden immer auch Teil des Systems. Wir sind die erste Generation, die spürt, dass wir alle miteinander verbunden an einem Tisch sitzen. Bleibt zu hoffen, dass der Friedensnobelpreis für das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen dabei hilft, die Ursachen für Hunger endlich auch gemeinsam zu bekämpfen.

Herzlich grüßt

Frank Braun (freier Autor)

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