Demeter-Hof Schmidt

Bio-Rinder brauchen mehr Platz

Zu Besuch beim Demeter-Hof Schmidt

Vor allem an Sommer-Wochenenden rauschen die Autos aus dem mittelfränkischen Ballungsgebiet über die Bundesstraße 466 in Richtung Altmühlsee, wo sich die Erholungsuchenden zum Baden, Spielen und Picknicken treffen. Wenige Kilometer vom umlagerten See entfernt bietet sich ein völlig anderes Bild: Biegt man von Norden kommend kurz vor Gunzenhausen rechts nach Geislohe ab, empfängt den Besucher ein kleines Örtchen mit gepflegten Blumenkästen vor den Fenstern einfacher Bauernhäuser und liebevoll dekorierten Vorgärten. Ein Schild weist den Weg zum Demeter-Hof von Stefan Schmidt, den wir heute, an einem Tag im Juli, besuchen. Schmidt liefert Kartoffeln und Bullen, die in der eigenen Bio-Metzgerei von ebl zu Fleisch und Wurst verarbeitet werden.

Der niedrige Hofladen, der sich durch ein Schild ankündigt, ist verwaist, als wir ihn betreten. Durch wenige kleine Fenster fällt ein leicht schummriges Licht in den schlichten Verkaufsraum, die dicken Mauern des alten Gebäudes halten die Hitze draußen. Entlang einer einfachen Holztheke stehen geflochtene Körbe mit biologischem Gemüse, wir sehen Zucchini, Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Lauchzwiebeln. Wie wir später von Stefan Schmidt erfahren, betreut seine Mutter Else den Hofladen.

Auf dem Stalldach eine Photovoltaikanlage

Als wir wieder auf den Vorhof treten, kommt uns die Altbäuerin bereits entgegen, da sie unsere Ankunft wohl bemerkt hat. Nach der Begrüßung führt sie uns durch eine Durchfahrt im Haupthaus zu den dahinter liegenden Ställen, wo wir Stefan Schmidt treffen. Gemeinsam schreiten wir die lang gestreckte, an der breiten Seite offene und dadurch luftige Tierbehausung entlang, während der Bio-Landwirt lebhaft und voller Leidenschaft seinen Hof beschreibt. Den großzügigen Freiluftstall hat er vor vier Jahren, kurz nach der Übernahme des Betriebs von seinen Eltern gebaut. Auf dem Dach ist - wie wir später noch sehen - eine großflächige Photovoltaikanlage montiert, die Solarstrom ins Netzt einspeist.

In einer gesonderten Box etwas abseits zeigt er uns ein kleines, gerade fünf Stunden altes Kalb, das uns und die Welt noch etwas verängstigt und irritiert zu betrachten scheint. Insgesamt 120 Rinder hält Schmidt, davon sind vierzig Mutterkühe für die Kälberzucht, die sich während unseres nachmittäglichen Stallbesuchs noch auf der Weide befinden. In den weitläufigen Boxen verteilen sich Gruppen von Bullen, die einen locker verteilt auf das ganze Areal, die anderen liegen gemächlich nebeneinander auf dem Stroh.

Die Tiere dürfen frei herumlaufen

Anbindehaltung wie in vielen anderen Betrieben gibt es beim Demeter-Hof Schmidt nicht, die Tiere können sich frei bewegen. So auch die acht Bullen in der letzten Box, die uns der Bauer zeigt. "Die Tiere gehen im September zu ebl nach Nürnberg", erklärt uns Schmidt. Die Bullen stört das nicht, denn ohne Widerwillen kommen zwei von ihnen an das Gatter, um zu sehen, wer wir sind, und um uns ihre feucht glänzenden, samtigen Nasen entgegenzurecken. "Limousin und Charolais sind die Rinderrassen, die hier versammelt sind", stellt der Bio-Bauer seine Tiere vor.

Wenn die Bullen zum Schlachten geführt werden, wiegt jedes der Tiere rund 800 Kilogramm. Zu diesem Zeitpunkt ist ein biologisch aufgezogener Bulle 24 Monate alt. Seinen konventionell gezüchteten Artverwandten überlebt er damit um ein halbes Jahr. Der Grund hierfür: "Bei der traditionellen Haltung werden die Tiere schnell mit Mais und Soja hochgezüchtet." Gleichzeitig haben sie vielfach sehr wenig oder gar keine Bewegung, denn sie stehen oft in engen Ställen. Damit sie sich nicht gegenseitig verletzen, entfernt man ihnen deshalb die Hörner.

Nach den Demeter-Richtlinien ist eine solche artfremde Behandlung nicht erlaubt. "Weil unsere Rinder ihre Hörner behalten dürfen, brauchen sie auch viel mehr Platz", so Schmidt. "Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist Kreislaufwirtschaft", erklärt unser Gastgeber. Das bedeutet, dass er mit dem Mist der Rinder seine Felder düngt und das ebenfalls biologisch-dynamische Futter für seine Tiere überwiegend selber anbaut. "Die Kartoffeln, die wir nicht verkaufen, mahlen wir und verfüttern sie an die Bullen", fügt Schmidt noch hinzu. Der Verzicht auf Tiermehl, genmanipuliertes Futter und die prophylaktische Verabreichung von Medikamenten versteht sich von selbst.

Schmidt will beweisen, dass es ohne Chemie geht

Gemeinsam fahren wir zu einem seiner Felder. Insgesamt 50 Hektar Land gehören zu seinem Demeter-Betrieb, zu gleichen Teilen als Wiese für die Rinderhaltung und Acker für den Gemüse- und Futteranbau. Jetzt im Juli steht die vorwiegend festkochende "Granola" auf den Feldern, Frühkartoffeln wie "Junior" und mittelfrühe Erdäpfel der Sorte "Milva" sind bereits geerntet und in den Biofachmärkten von ebl verkauft.

Insgesamt zehn Tonnen gehen 2007 an seinen Nürnberger Kunden, an den er seit dessen Firmengründung 1994 Kartoffeln liefert. Die Bullen kamen später hinzu. "Nicht jedes Jahr ist das Wetter einfach für den Kartoffelanbau", resümiert Schmidt, "Mal ist es im April zu trocken, dann kommt häufiger Wechsel zwischen warmem Wetter und viel Regen.

"Klar, im konventionellen Anbau spritzt man einfach ein bisschen Chemie, dann hat sich das Thema", gibt er zu, "aber mein Ehrgeiz ist es, den traditionellen Bauern zu zeigen, dass es auch ohne geht." Zur Bestätigung zeigt er stolz auf den Mais, den er neben seinen Kartoffeln anbaut, und weist auf das gegenüberliegende Feld: "Da drüben ist der Maisanbau mit Pestiziden, hier meiner ohne." Wir verstehen: Sein Mais ist kräftiger und höher gewachsen.

Der Boden ist so lebendig wie ein Kalb

Von sieben Kindern war Stefan Schmidt 2003 derjenige, der den Hof seiner Eltern übernahm. Sein Vater Leonhart und seine Mutter waren bereits 1982 dem Demeter-Verband beigetreten, so dass ihr Sohn die Nachfolge auf einem bereits mehr als zwei Jahrzehnte nach strengen biologisch-dynamischen Richtlinien arbeitenden Bio-Hof antrat. Gelernt hatte der damals 25-Jährige Kfz-Mechaniker, jedoch war sein Interesse an der biologisch-dynamischen Landwirtschaft so groß, dass er in Abendkursen Landwirt lernte.

Mit großem Engagement beschreibt der Bio-Bauer am Rande des Kartoffelfeldes seine Motivation, die ihn dazu brachte, den elterlichen Bio-Betrieb zu übernehmen. Finanzielle Gründe schließt er aus: "Das lohnt sich nicht." Schön sei es, als selbstständiger Landwirt sein eigener Herr zu sein, auch wenn sein Arbeitstag selten kürzer als zwölf Stunden sei und er keinen Urlaub machen könne. Aber - und dabei schaut er über seine Äcker - der wichtigste Antrieb sei ein anderer: "Man muss davon überzeugt sein, dass es auch ohne Pestizide und Chemie geht. Denn unser Boden ist genau so lebendig wie ein Kalb."

Die Adresse:

Demeter-Hof Stefan Schmidt, Geislohe 6, 91729 Haundorf

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