Vom Hof zur Gabel – Auf dem Weg zu einem nachhaltigen Lebensmittelsystem in Europa

„Farm to Fork“-Strategie heißt ein im vergangenen Jahr verabschiedeter Zehnjahresplan der Europäischen Kommission, mit dem der Übergang zu einem fairen, gesunden und umweltfreundlichen Lebensmittelsystem in Europa vorangebracht werden soll. In den nächsten 10 Jahren will die EU damit die Weichen für ein nachhaltiges Umgestalten der gesamten Wertschöpfungskette in der Lebensmittelindustrie, also vom Acker bis auf den Teller, stellen. Die einzelnen Mitgliedsstaaten sollen diese Strategie nun in einem nationalen Aktionsplan konkretisieren. Aber was genau steckt hinter diesem ehrgeizigen Plan?

Die „Farm to Fork“-Strategie lehnt sich an die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) an. Sie will durch internationale Zusammenarbeit und eine gerechter gestaltete Handelspolitik die Standards im Lebensmittelsektor weltweit anheben. Ziel ist es auch, dafür zu sorgen, dass positive Gesetzgebungen in einigen Regionen Europas und letztlich der Welt nicht dazu führen, dass nicht nachhaltige Produkte einfach in anderen Regionen verstärkt verkauft werden und so in Summe die positiven Effekte wieder aufgefressen werden. Es geht also da-rum, eine nachhaltige Lebensmittelproduktion zu fördern und Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Das gilt über die ganze Wertschöpfungskette, also nicht nur auf den Feldern, sondern auch in der Weiterverarbeitung und im Handel sowie der Gastronomie. So soll bis 2030 der Einsatz chemischer und gefährlicher Pestizide um 50 % verringert werden.

Es ist ja eigentlich schon absurd, dass es eine Kategorie „gefährliche Pestizide“ im Markt gibt und diese weiter im Einsatz sind. Auch der Einsatz von Düngemitteln soll um 20 % verringert werden, um so die Nährstoffverluste und Verschlechterung der Bodenfruchtbarkeit zu verringern. Insgesamt 25 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche sollen bis 2030 auf biologische Landwirtschaft umgestellt sein. Heute liegt dieser Anteil gerade einmal bei 7,7 %. Es ist das erste Mal, dass die EU einen zwischen den einzelnen Ressorts wie Landwirtschaft, Umwelt, Gesundheit, Handel usw. abgestimmten Handlungsansatz ganzheitlich in den Blick nimmt, um die Widersprüche aufzulösen, die bislang zwischen den einzelnen Ressorts zu wechselseitigen Blockaden führten.

Für uns als Verbrauer*innen hätte die Umsetzung dieser Strategie vielfältige Vorteile. Neben den offensichtlichen Themen, wie verbesserte Bodenfruchtbarkeit oder reduzierter Pestizidverbrauch durch die Landwirtschaft, soll z.B. bis Ende 2022 auch ein Vorschlag für eine harmonisierte, verpflichtende Nährwertkennzeichnung auf der Vorderseite von Verpackungen umgesetzt werden. Diese „Nährwertprofile“ würden die Verwendung von nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben auf ungesunden Lebensmitteln deutlich einschränken. Auch die angekündigte Überarbeitung der EU-Gesetzgebung zu Materialien, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, ist eine große Chance, Lebensmittelverpackungen für uns sicherer zu machen. Bis 2024 soll auch ein Vorschlag für ein Rahmenwerk zur Kennzeichnung nachhaltiger Lebensmittel erarbeitet werden, um uns in die Lage zu versetzen, eine nachhaltige Lebensmittelauswahl zu treffen.

Alles in allem könnte diese Strategie in der Tat ein großer Schritt nach vorne sein, auf dem Weg zu einem nachhaltigen Lebensmittel- und Landwirtschaftssystem, in dem das Wort Lebensmittel sich seinen Namen wieder verdient. Für uns würde die Auswahl und die Entscheidung für gesunde und nachhaltige Lebensmittel deutlich leichter werden. Wichtig wäre allerdings dann auch, dass die EU den Import von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Produkten stoppt, die nicht unseren Standards für Umweltschutz, Tierschutz etc. entsprechen, um die damit abgeschafften negativen Effekte in der Lebensmittelproduktion nicht ins außereuropäische Ausland auszulagern.

Herzlich grüßt

Frank Braun (freier Autor)