Helmut Wendler liefert die Bio-Eier seiner freilaufenden Hühner zu ebl nach Nürnberg.

»Es gibt wenige Ausnahmen, aber in der Regel kann man davon ausgehen, dass braune Hennen braune und weiße Hennen auch weiße Eier legen.«

Helmut Wendler

Helmut Wendler: Qualität hat ihren Preis!

Helmut Wendler zu den Preisen von Bio-Lebensmitteln: „Die Preise für Bio-Lebensmittel in Deutschland finde ich nicht zu hoch. Unser Land hat weltweit mit den höchsten Lebensstandard und wir Deutschen geben für zahlreiche Dinge wie beispielsweise unseren Urlaub viel Geld aus. Aber die Nahrungsmittel werden immer billiger. Das geht nur auf Kosten der Qualität. Deshalb gilt auch bei Lebensmitteln, dass gute Qualität ihren Preis hat.“

Wie frisch ist ein Ei?

Einfach das Ei in ein mit Wasser gefülltes Glas legen. Frische Eier bleiben am Boden liegen, sind sie etwa zwei Wochen alt, stehen sie senkrecht im Glas. Eier, die oben schwimmen, sind zu alt und sollten nicht mehr verwendet werden.

Junge Hühner legen selten "XL"

Zu Besuch beim Demeter-Hof Wendler

... in Oberkrumbach

„Alles, was niedriger ist als mein Knie, taugt nichts!“ Mit einem Schmunzeln erinnert sich Öko-Landwirt Hans Wendler aus Oberkrumbach an diesen Spruch von Bauern aus der Nachbarschaft. Die konnten sich nicht vorstellen, dass er mit Geflügel Geld verdienen könnte. Das war 1997 bei der Umstellung seines Milchbetriebes mit 40 Kühen auf Hühnerhaltung. Trotz einer Reihe von Vorbehalten aus seiner Umgebung hat der Landwirt den Schritt keinen einzigen Moment bedauert. Denn die Umstellung des Hofes verknüpfte der Bauer mit dem Beitritt zum Demeter-Verband. „Wir haben bereits vorher nach ökologischen Standards gearbeitet“, erklärt er, „da war die Mitgliedschaft ein logischer Schritt.“ Heute ist er erfolgreicher denn je und auch nicht mehr der einzige Öko-Bauer im Ort, denn der Nachbar gehört dem Naturland-Verband an.

Die Familie Wendler hat das von ihnen bearbeitete Land schon immer als ein Gut gesehen, das es zu pflegen und zu umsorgen gilt. „Schon vor unserem Beitritt haben wir uns intensiv um die Landschaftspflege gekümmert und auf den Einsatz chemischer Mittel verzichtet.“ Der größte Unterschied zur konventionellen Tierhaltung? „Wir bauen unser eigenes Bio-Futter mit viel Handarbeit selber an, lassen unseren Tieren eine Menge Platz und geben ihnen ein artgerechtes Leben. Und wenn sie einmal krank werden, behandeln wir sie bevorzugt mit pflanzlichen und homöopathischen Mitteln.“

Hühnerhof mit Blick ins Tal

Knapp 35 Kilometer sind es von Nürnberg bis zur Familie Wendler nach Oberkrumbach, rund sieben Kilometer nördlich von Hersbruck. Auf einer Fläche von 44 Quadratkilometer liegen verstreut die Dörfer und Weiler der Gemeinde mit rund zweitausend Einwohnern. Dazu gehört auch Oberkrumbach, wo uns Helmut Wendler bereits erwartet hat. Auf einer Anhöhe, von der man das Tal überblicken kann, liegt der Demeter-Hof der Familie Wendler. Dort wohnen drei Generationen unter einem Dach: die Großeltern Annemarie und Hans, 63 und 65 Jahre alt, ihr Sohn Helmut (40) und dessen siebenjähriger Sohn Christian.

Sie gackern ohne Unterlass

Zum Hof gehören zwei Hühnerställe. Hieran schließt sich ein überdachter Auslauf an, der in ein gut einen Hektar großes Freigehege übergeht. Rund 1.700 braun gefiederte Legehennen und einige Hähne der robusten und gegen Krankheiten widerstandsfähigen Rasse „Lohmann Tradition“ verteilen sich in dem Gelände. Sie picken im Gras, scharren mit den Klauen, nehmen ein Staubbad oder sonnen sich. Und es scheint, als gackern sie alle ohne Unterlass. Die meisten sind ständig in Bewegung, sie wackeln nach rechts, tapsen nach vorne, kippen den Kopf mal nach links, mal nach rechts, senken den Hals nach unten und picken, picken, picken. Als wir zu ihnen ins Freigelände treten, kommen sie in Scharen auf uns zu, schauen uns neugierig an und hacken mit ihren kleinen Schnäbeln interessiert auf unseren Schuhen herum.


Zwischen Stall, überdachtem Auslauf und Wiese können sie ständig hin- und herwechseln. Weitere 1.200 Hühner sind in einem anderen Stall untergebracht, erklärt Horst Wendler, der Vater unseres Gastgebers, der sich zu uns gesellt. Plötzlich schwillt das Gegacker zu einem schrillen und aufgeregten Stimmengewirr an. Die Hühner drängen aus der Mitte der Wiese in den überdachten Wintergarten oder flüchten sich unter den Schutz einer Scheune. Vater und Sohn Wendler schauen zum Himmel. In der Ferne zeigt sich ein großer Vogel, den sie für uns Städter als Hühnerhabicht identifizieren.

Genug Platz für die Hackordnung

Die Landwirte zeigen uns den Stall, in dem sich die Tiere nachts zum Schlafen und vormittags während der Legezeit aufhalten. Auch jetzt am Nachmittag befindet sich eine Reihe von Hühnern in dem erst 2006 umgebauten ehemaligen Rinderstall. Fenster lassen Tageslicht hinein. Und obwohl die Sonne auf das Gebäude scheint und es warm ist, schafft die Belüftung ein auch für den Besucher erträgliches Klima. Maximal sechs Hühner je Quadratmeter erlauben die Richtlinien des Demeter-Verbandes, bei den Wendlers sind es zwischen fünf und sechs Tiere. Über drei Etagen verteilt sitzen sie auf Stangen, scharren auf dem Boden, trinken frisches Wasser oder ruhen sich aus. „Hühner haben eine ausgeprägte Hackordnung“, erklärt Helmut Wendler, „wenn sie nicht genügend Platz haben und die Tiere ihren Rang nicht durch unterschiedlich hohe Sitzplätze zeigen können, gehen sie aufeinander los.“ Da den Öko-Legehennen die Schnäbel – ebenso wie die Flügel - nicht gekürzt werden und sie selbstverständlich nicht in Käfige eingesperrt werden, gibt es nichts, was unglückliche Hennen davon abhalten würde, mit ihren scharfen Schnäbeln aufeinander loszugehen. Doch die Hennen sind friedlich.

Besonders stolz ist Helmut Wendler auf seine Nester. Unter ihnen befinden sich schräg stehende Gummimatten, an denen der Kot herunterfällt. Eine Lösung, die er aus hygienischen Gründen gegenüber Stroh bevorzugt. Ihn entsetzt die Vorstellung, wie es auf konventionellen Hühnerfarmen zugeht: „Es ist fast unvorstellbar, dass dort der Kot von fünfzig- oder einhunderttausend Hühnern erst nach eineinhalb Jahren aus dem Stall entfernt wird, nämlich dann, wenn die Hühner getötet werden.“

Er entfernt den Hühnerkot täglich. Vermischt mit Rindermist nutzt er ihn als Dünger für die Felder, auf denen er das ökologische Futter für seine Hennen anbaut. Insgesamt bewirtschaftet der Familienbetrieb vierzig Hektar Land, auf denen er nach Demeter-Vorgaben Weizen und Erbsen anbaut. Beides zusammen wird mit Futterkalk vom Bio-Zulieferer vermischt und ergibt das Bio-Futter für seine Hennen. Überflüssig der Hinweis, dass es frei von Medikamentenzusätzen, Fischmehl, Farbstoffen oder leistungsfördernden Mitteln ist.

Hühnersuppe schützt vor Grippe

Da die Wendlers keine eigene Zucht haben, kaufen sie die Junghennen im Alter von 17 Wochen bei einem ökologischen Zuchtbetrieb. Im ersten Jahr legen die Hühner vor allem Eier der Größen „M“ und „L“, ältere Hennen produzieren dann eher die größeren „XL“-Eier. Die Leistungsvorgabe aus dem Lied „Ich wünscht, ich wär’ ein Huhn“ - „ich legte täglich nur ein Ei und sonntags auch mal zwei“ - erfüllen Wendlers glückliche Bio-Hühner nicht: In den ersten zwölf Monaten legen von zehn Hennen zwischen acht und neun täglich ein Ei, danach ist es nicht einmal mehr jede zweite.

Nach rund eineinhalb Jahren produzieren sie kaum noch Eier. Dann werden aus den Legehennen Suppenhühner. „Den Transport und den damit verbundenen Fahrstress ersparen wir unseren Tieren und schlachten sie in unserem Betrieb selber“, erklärt Wendler junior. Für die Zubereitung gibt sein Vater einen Tipp: „Man kann sie auch als Brathähnchen verwenden, dann muss man sie aber vorher kochen.“ Er schwört allerdings nach wie vor auf die klassische Hühnersuppe, die zahlreiche Abwehrstoffe enthält: „Ein Teller Suppe vom Huhn ist wie Medizin für den Körper. Dann bekommt man keine Grippe mehr.“


Insgesamt knapp zweitausend Eier erzeugen die Hennen auf dem Hof in Kirchensittenbach täglich. Einmal in der Woche bringt der Landwirt die Eier und eine Anzahl von Suppenhühnern ins ebl-Zentrallager nach Nürnberg, wo sie bis zum nächsten Morgen in die verschiedenen Biofachmärkte verteilt werden. Das Verhältnis zu seinem Nürnberger Abnehmer ist mehr als geschäftlich, erklären uns Vater und Sohn. „Wir haben ähnliche Vorstellungen von ökologischer Landwirtschaft und sind miteinander befreundet. Und bei ebl finden wir ein großes Verständnis und eine Menge Erfahrung. Als die Milchpreise nach der Wiedervereinigung dramatisch sanken, kam von Gerhard Bickel, dem Inhaber von ebl, der Vorschlag, auf Hühnerhaltung umzustellen.“

Die Wurst ist von ebl

Das ist nun mehr als zehn Jahre her. Vieles hat sich getan, zu dem neuen Stall kam 2006 eine Hackschnitzelheizung, um mit nachwachsenden Rohstoffen heizen zu können. Und die Wendlers stecken noch voller Pläne. Im Winter soll das Freigelände vergrößert werden und danach werden die Ställe erweitert. Arbeitspausen über mehrere Wochen wie bei Gemüsebauern im Winter gibt es für den Familienbetrieb nicht. Doch auch Helmut Wendler nimmt einmal eine Auszeit vom Hof. In der kommenden Woche wird er nach Weißrussland fahren. Dort trifft er Freunde, mit denen er zusammen schon mehrfach Medikamente, Kleidung, medizinisches Gerät und Saatgut nach Tschernobyl in die benachbarte Ukraine gebracht hat. Eine kleine Hilfslieferung wird er auch dieses Mal mitnehmen, obwohl der Zweck seiner Reise eine Hochzeit von Freunden ist. Zum Abschluss unseres Besuches wird uns selbstgebackenes Brot mit Leberwurst serviert. „Natürlich aus unserem eigenen Getreide“, steuert Mutter Wendler bei, „und die Wurst ist von ebl.“

Die Adresse

Demeter-Hof Wendler, Oberkrumbach 30, 91241 Kirchensittenbach


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