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Nachhaltigkeit macht Schule

  • Mit Herz, Kopf und Hand

    Mit Herz, Kopf und Hand

Nachhaltigkeit macht Schule

Immer mehr Schulen lassen sich als Fairtradeschule, Umweltschule oder auch Schule gegen Rassismus zertifizieren. Es ist gut, dass auf diesen Weg Schulen die Frage sozialer und ökologischer Gerechtigkeit verstärkt in ihren Schulalltag integrieren können. Dabei sollte es aber nicht um das Sammeln von Titeln gehen.

Vielmehr können und sollten diese Zertifizierung an die Wichtigkeit dieses Themas erinnern und Ansporn für Lehrer/innen, Schüler/innen und Eltern sein, Wege zu suchen, um vom Wissen in das Handeln zu kommen! Der Dreiklang aus Achtsamkeit, Wertschätzung und Lebensfreude mit und gegenüber allen Lebewesen, die mit uns diesen wunderbaren Planeten bevölkern, ist noch lange nicht selbstverständlich. Der Schulanfang bietet jedes Jahr wieder die Möglichkeit, mit der eigenen Büchertasche und/oder Schultüte Flagge zu zeigen und zu beweisen: Fairness und Toleranz lässt sich auch hier wunderbar in die Praxis umsetzen.

Mit Herz, Kopf und Hand die Welt ein klein wenig besser machen

Herz, Kopf und Hand ist ein alter pädagogischer Leitsatz des Schweizer Pädagogen und Reformers Johann Heinrich Pestalozzi. Pestalozzis Grundidee war es, mit der Elementarbildung Menschen zu befähigen, sich selbst zu helfen, sowohl was die intellektuellen als auch die handwerklichen Fähigkeiten der Kinder betrifft. Er war der Vordenker für einen ganzheitlichen Ansatz in der Pädagogik,welcher sich als Vermittler zwischen Natur und Kultur versteht. Um diesen Ansatz zu verwirklichen, entwickelte er eine Dreiteilung der kindlichen Entwicklung: Kopf, Herz und Hand. Der Kopf stehe für den Intellekt, das Herz für die Sitte, und die Hand für die praktischen Fähigkeiten, so sein Ansatz.

So sollen abstraktes Urteilsvermögen als auch Werte wie Liebe und Vertrauen als Basis für weiterführende Fertigkeiten entwickelt werden. Auch für uns gilt es, bestehende Denkmuster zu hinterfragen, die Ungleichheit, Armut und Unterdrückung von Mensch und Natur befördern. Das ist zugegebenermaßen ein großer Anspruch, aber schon mit kleinen Dingen können wir einen Beitrag dazu leisten, dass wir mit Kopf, Herz und Hand die Welt ein wenig besser machen. Der Kopf steht dabei für Bildung und Information, denn nur wenn wir verstehen, was wir mit unserem Konsumverhalten verursachen oder eben auch positiv verändern können, ist es möglich, bessere Entscheidungen zu treffen. Das Herz steht für Mitgefühl und ein Stück Empathie, auch dem Unbekannten gegenüber. Die Hand steht für das Tun. Erich Kästner hat es einst treffend formuliert: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es".

Am Ende des Tages werden wir unser Leben wohl nicht danach bewerten, was wir gesagt haben, sondern danach, wie wir gehandelt haben. Ganz konkret hieße das z. B. für den Einkauf von Büchertaschen und Schultüten Ihrer Kinder, Enkel, Patenkinder etc., sich selbst und dem Personal im Laden Fragen zu stellen: Gibt es ökologische und fair produzierte Alternativen? Haben Sie so etwas oder ist es lieferbar? Um die Antwort vorweg zu nehmen: Egal ob Papier, Hefte, Stifte, Schokolade oder andere Süßigkeiten, wir haben eigentlich immer öko-faire Alternativen. Oftmals sind es aber noch Nischenprodukte, die sich nicht auf Anhieb finden lassen.

Die Frage hat aber neben der reinen Information einen weiteren Effekt. In der Betriebswirtschaft würde man solche Fragen auch eine Interessenbekundung nennen. Hier steht eine Kundin, die ein nachhaltiges Produkt kaufen würde, wenn es denn im Sortiment wäre. Wenn das mehrmals die Woche passierte, dann würde der Verkauf an den Einkauf rückmelden, dass es eine wachsende Kundengruppe gibt, die Schulprodukte mit öko-sozialen Standards kaufen würde und über kurz oder lang würde das entsprechende Angebot in den Regalen dann auch wachsen.

Spannend wäre es sicherlich auch, sich mit seinen Kindern mal auf Spurensuche im Internet zu machen. Wo kommt unsere Schokolade eigentlich her? Was heißt bio und fair an diesem Beispiel? Wer sind die Menschen, die uns dieses süße Vergnügen möglich machen? Wenn Produkte Gesichter bekommen, dann wird ganz schnell auch unser Herz berührt und im Gegensatz zu unserem Kopf sind unsere Herzen nicht so leicht zu überrumpeln, wenn wir etwas erst einmal in unser Herz geschlossen haben. Es wäre doch schön, wenn wir gemeinsam dazu beitragen könnten, dass bio und fair irgendwann nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel sein werden. Ob das eine Utopie bleibt oder ein Blick in die Zukunft ist, das hängt auch von uns allen ab!

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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