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Mit lachenden Herzen in die dunkle Zeit hinein

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    Mit lachenden Herzen in die dunkle Zeit hinein

Mit lachenden Herzen in die dunkle Zeit hinein

Würde ich mich an einem beliebigen Tag in die Fußgängerzone stellen und Menschen dazu befragen, ob sie für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit seien, dann würden wir wahrscheinlich eine nahezu hundertprozentige Zustimmungsquote zu diesen Themen haben.

Und doch, nur ein Bruchteil der Befragten lässt diesen Vorsätzen dann auch Taten folgen. So ist der Anteil der Bio-Produkte lediglich 4,8 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes in Deutschland. Die Marktanteile des Fairen Handels sind noch geringer. Warum fällt es uns so schwer, unserem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit und Umweltschutz mit konsequentem Handeln zu unterfüttern? "Ich kann es mir nicht leisten" ist wohl das am häufigsten genannte Argument. Aber ist das wirklich so? Vielleicht sind wir zu viel im Kopf und zu wenig im Herzen unterwegs, um die richtigen Antworten zu finden?

Nachhaltigkeit mit dem Herzen beginnen

Der Schweizer Pädagoge Johann Heinrich Pestalozzi gilt als einer der Vordenker und Mitbegründer der modernen Sozialpädagogik. Er hat schon um das Jahr 1800 dafür geworben, für die Unterstützung der natürlichen kindlichen Entwicklung die Dreiteilung in "Kopf, Herz und Hand" zu berücksichtigen, die jeweils für Intellekt, Sitte und praktische Fähigkeiten stehen. Das Wort Sitte ist ziemlich aus der Mode gekommen, ohnehin kann ich mit dem Begriff Herz mehr anfangen. Die "Pflege" unseres Herzens ist meiner Meinung eines der am meisten vernachlässigten Themen in unserer schnelllebigen Zeit geworden. Wann nehmen wir uns Zeit zur Stille, halten wir mal inne, um in uns hineinzuhören? Wir leben nach Apps und Statistiken, spüren uns selbst aber kaum noch.

Vielleicht würde es uns gut tun, wenn wir täglich immer wieder mal inne hielten und einfach mal still und aufmerksam in uns hineinhören würden. Wir sehnen uns nicht nach noch mehr Dingen in unserem Leben sondern nach mehr Sinn. Das hat die Glücksforschung längst herausgefunden. Wenn wir Sinn in etwas sehen, dann werden wir auch leidenschaftlich und emotional sein, dann finden wir Mittel und Wege, das auch umzusetzen und gehen dafür auch mal eine extra Meile. Die Zutaten für ein nachhaltiges Leben sind nicht teuer. Die gibt es auch nicht im Laden. Sie sind längst schon bei uns allen zu Hause, wenn wir in uns hineinhören:

Achtsamkeit, Wertschätzung, Lebensfreude

Nachhaltigkeit, die nicht lebensfroh ist, wird niemanden überzeugen. Achtsamkeit führt uns zu Empathie, da wir dann die Bedürfnisse und Wünsche der Welt ums uns wieder mit wachen Sinnen wahrnehmen. Achtsamkeit führt uns zu Wertschätzung. Wertschätzung ist wiederum eine Grundlage für Lebensfreude. Lebensfreude ist ein wesentlicher Faktor, der uns vom durchschnittlichen zum überdurchschnittlichen Engagement führt, denn wenn unser Herz für eine Sache brennt, dann ist es einfacher etwas zu bewegen. Zudem ist Lebensfreude "ansteckend" für Menschen um uns herum. Sie kennen das sicherlich auch, wie positiv inspirierend es sein kann, wenn Menschen voller Leidenschaft und mit einem breiten Lachen im Gesicht ihr Leben leben.

Aber zurück zu dem Einwand, den ich eingangs erwähnt habe. Können wir es uns wirklich nicht leisten nachhaltig zu leben? Ich bin fest davon überzeugt, dass ein nachhaltiger Lebensstil nicht teurer ist, wenn wir es ganzheitlich betrachten. Klar, bio-faire Lebensmittel oder Textilien sind teurer und das auch zurecht. Aber in vielen Bereichen unseres Lebens könnte uns ein Umdenken viel Geld sparen. Zunächst einmal ist da die Frage: Was brauchen wir wirklich? Wie viele Dinge haben wir zu Hause, die wir fast nie benutzen? Bücher, DVDs, Werkzeug etc. Wenn wir uns von der Idee abwenden, besitzen zu wollen, und uns damit anfreunden, dass es eigentlich darum geht, etwas zu benutzen, dann sind die Einsparpotentiale für unser Leben riesig.

Teilen funktioniert meiner Erfahrung nach am besten im Freundeskreis. Es braucht beispielsweise nicht jeder, der einen Garten hat, eine elektrische Heckenschere oder ein 50-Meter-Stromkabel, das wir alle 4-6 Wochen einmal benutzen. Dieser Gedanke ließe sich beliebig weiterspinnen. Das zweite große Potential liegt im Perspektivenwechsel beim Einkauf. Anstatt Schnäppchen hinterherzurennen, sollten wir langfristig denken. Billig gibt es ohnehin nicht. Am Ende zahlen wir immer den Preis. Nur eben oft nicht an der Kasse. Ich bin fest davon überzeugt, Nachhaltigkeit lohnt sich auch für den Geldbeutel. Und nichts ist so überzeugend, wie es selbst vorzuleben!

Herzlich grüßt im Namen der ebl Redaktion

Ihr Frank Braun

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