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Kleine Biene - große Wirkung

  • Bee my friend

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Kleine Biene - große Wirkung

Zugegeben, als ich Bio-Imker Marc Schüller von den Nürnberger "Bienenhütern" zum ersten Mal in der ebl-Zentrale traf, wusste ich noch nicht allzu viel über Bienen. Ich brachte sie mit Honig für mein Frühstücksbrötchen in Verbindung und mit Schmerzen nach einem Stich.

Doch je tiefer ich in die bedeutsame Welt der Honigbiene eintauchte, desto mehr Fragen drängten sich mir auf wie z. B.: Wieso verschwinden diese für Mensch und Natur unverzichtbaren Insekten hierzulande immer mehr und was lässt sich dagegen tun?

Honig ist von unserem Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Mit den etwa 700.000 heimischen Völkern lässt sich unser Bedarf jedoch nur zu 20-30 Prozent decken. Haben Sie gewusst, dass eine Honigbiene in ihrem kurzen Leben von durchschnittlich 42 Tagen "nur" etwa einen Teelöffel Honig produziert? Doch nicht jede Biene sammelt permanent Pollen und Nektar. Der Bio-Imker erklärt mir, dass in einem Volk bis zu 60.000 Bienen leben können und das Zusammenleben überaus sozial und demokratisch gestaltet wird. Dabei übernimmt eine Arbeiterbiene viele verschiedene Aufgaben. Während die einen z.B. Bau- oder Putzdienst haben, kümmern sich Ammenbienen um den Nachwuchs und Sammelbienen begeben sich mit Spürbienen auf Nahrungssuche. Und wie kommunizieren Bienen eigentlich miteinander? Sie tanzen ihre Vorschläge!

Beachtlich finde ich auch, dass eine Biene an einem optimalen Tag auf ihrem Sammelflug bis zu 3.000 Blüten bestäuben kann - eine reife Leistung! Kein Wunder, dass wir ohne sie ein echtes Problem hätten. Gemeinsam mit anderen Bestäubern, wie z.B. Hummeln, Wildbienen oder Schmetterlingen, sind sie damit weltweit für die Entwicklung von Samen und Früchten unverzichtbar. "Bienen sind letztendlich der Schlüssel, dass unser Ökosystem funktioniert", bringt es Herr Schüller auf den Punkt.

Doch sie sind bedroht: Zunehmend lässt sich das traurige Phänomen des Bienensterbens feststellen. Heute gibt es in Deutschland nur noch etwa ein Drittel der Bienenvölkerpopulation, die es zu Beginn der 1960er Jahr gab. Wie kommt es, dass zum Teil ganze Völker verschwinden? Der Bienenhüter erklärt mir die verschiedenen Ursachen des Problems. Oft wird die Varroamilbe für alles verantwortlich gemacht. Nur an ihr allein liegt es jedoch nicht. Die moderne Landwirtschaft mit ihren Pestiziden, Monokulturen und Bodenverlusten leistet ebenso ihren Beitrag. Die zunehmende Bebauung und auch der Klimawandel stellen weitere Bedrohungen dar. Durch den Temperaturanstieg und die Wetterextreme können sich nicht nur Parasiten und andere Pathogene leichter verbreiten; Hitze und Trockenheit führen auch dazu, dass Pflanzen weniger Blütenstaub und Nektar produzieren.

Der Imker selbst hat übrigens ebenfalls großen Einfluss. Herr Schüller beispielsweise setzt darauf, die Bienen zu stärken, indem er sich an ihren und nicht an seinen imkerlichen Interessen orientiert. So lässt er ihnen den Großteil ihres eigenen Honigs und füttert nur im Notfall zu. Dann achtet er auf fair gehandelten Bio-Roh-Rohrzucker und auch sonst verwendet er nur naturbelassene Materialien für die Bienenstöcke sowie organische Medikamente und rückstandsfreies Bio-Wachs.

Und was können wir selbst tun, wenn wir nicht gleich Imker werden wollen? Hier hat der Bienenhüter diese Tipps für mich parat:

  • Den Bienen Nahrung und einen Lebensraum bieten, indem wir unsere Balkone und Gärten bienenfreundlich gestalten und blühen lassen! Mit einem seltener gemähten Rasen, heimischen Blühpflanzen wie z.B. Ringel- und Kornblumen, bienenfreundlichen Sträuchern, Stauden und sogar mit Kräutern auf dem kleinen Stadtbalkon kann jeder einen Beitrag leisten.
  • Bio-Lebensmittel einkaufen, denn jeder Hektar, der auf ökologische Bewirtschaftung umgestellt wird, bietet die Chance auf blühenden, intakten Lebensraum mit einer hohen Artenvielfalt! Beim Honig-Kauf empfiehlt es sich, auf die Herkunft zu achten und wenn möglich zum Bio-Honig zu greifen.

Auch wir bei ebl möchten aktiv etwas gegen das Bienensterben und zur Bewusstseinsbildung tun. Daher hielten nun zwei Bienenvölker Einzug auf unserem Firmengelände. Gestochen wurde dabei übrigens niemand. Der Bio-Imker unterstützt uns bei diesem Projekt und kümmert sich gemeinsam mit uns Mitarbeitern um sie. Damit unsere Bienchen auch ja keinen Hunger leiden müssen, verwandeln wir die angrenzende Ackerfläche mit Hilfe unseres regionalen Demeter-Partners Marcus Kratzer in eine blühende Blumenwiese. Denn: Jede Biene zählt - lassen Sie uns alle etwas gegen das Bienensterben tun!

Summende Grüße aus der ebl-Redaktion

Stefanie Rachor, Trainee bei ebl


Film- und Lese-Tipps für die, die noch mehr über Bienen erfahren wollen:

  • "More than Honey",
  • "Das Geheimnis des Bienensterbens"
  • "Der Imker"
  • Joana Kelén: Tod einer Königin: Warum sterben Bienen wie die Fliegen?
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