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Ist die Verkehrswende nur ein schöner Traum?

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    Ist die Verkehrswende nur ein schöner Traum?

Ist die Verkehrswende nur ein schöner Traum?

Das Verkehrsaufkommen in der Metropolregion Nürnberg steigt beständig. 6 von 10 Menschen pendeln laut dem VGN-Verkehrsentwicklungsbericht täglich zu ihrem Arbeitsplatz in eine andere Stadt. 71 % der Pendler benutzen dafür das Auto.

Die Zahl der zugelassenen PKWs in der Region hat mit 1,6 Millionen im Jahr einen neuen Rekordstand erreicht, Tendenz weiterhin steigend. Auf 1.000 Einwohner im Einzugsbereich der VGN kommen somit 582 PKWs. Eine Verkehrswende hin zu einem nachhaltigen Mobilitätskonzept lässt sich daraus sicherlich nicht ableiten. Aber im Kleinen gibt es durchaus auch positive Trends in der Region.

Es geht auch anders!

Woran liegt es, dass wir so sehr am Auto festhalten? Klar, sich vor der Haustür ins eigene Auto zu setzen ist sicherlich gerade bei schlechtem Wetter die bequemste Variante. Und dann ist da ja noch das liebe Geld. Wann immer die VGN die Preise erhöht, geht ein Aufschrei durch die Region. Um es klar zu machen, auch ich würde mir wünschen, dass für Menschen mit geringen Einkommen die Fahrpreise subventioniert würden, aber wir sollten endlich auch aufhören, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Würden wir beim Auto fair rechnen und neben den Spritkosten auch 20 Cent pro gefahrenen Kilometer für Wertverlust, Versicherung etc. ansetzen, dann sähe der Kostenvergleich schon ganz anders aus.

Und da sind da noch die auf die Gemeinschaft umgelegten Kosten für den Straßenbau und die Umweltbelastungen durch den Autoverkehr samt daraus entstehender Kosten noch nicht mit eingerechnet. Auch der Umstieg auf Elektromobilität würde das Problem nicht lösen! Selbst wenn alle 46 Millionen Autos in Deutschland zukünftig elektrisch betrieben würden, ist der ökologische Rucksack dieses Verkehrsmittels immer noch enorm und weiterhin würden die Autos den größten Teil ihres Lebens ungenutzt auf einem Parkplatz verbringen. An dieser Stelle ist natürlich auch die Politik gefordert, doch die wird sich nicht gegen 46 Millionen Fahrzeughalter stellen, wenn wir nicht bereit sind, diesen Weg des gemeinsamen Nutzens und Umdenkens mitzugehen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel Kopenhagen. Dort gibt es fünfmal mehr Fahrräder als Autos. Gut ein Viertel der Familien mit zwei oder mehr Kindern nutzt dort ein Lastenfahrrad. In Summe sind das beeindruckende 1,4 Millionen Kilometer, die täglich auf dem Fahrrad zurückgelegt werden. Der Erfolg in Kopenhagen kann sicherlich nicht mit einem milderen Klima oder kleineren Strukturen begründet werden. Vielmehr hat die Stadtverwaltung durch ein umfangreiches Maßnahmenbündel diese Entwicklung gefördert und mit umgesetzt. Neben der Energiewende hat dort die Verkehrswende höchste Priorität. So wurden Straßen zurückgebaut, das Rad- und Fußwegenetz ausgebaut und auch der öffentliche Nahverkehr attraktiver gemacht. Es geht also doch, wie dieses Beispiel zeigt.

Auch in der Metropolregion gibt es Grund zur Hoffnung

Auch in der Region gibt es durchaus gute, meist zivilgesellschaftlich organisierte Initiativen. Überall entstehen beispielsweise Stationen für den kostenlosen Verleih von Lastenrädern. Alleine in Nürnberg gibt es seit Kurzem neben KLARA (Kostenloses LAstenRAd) und Fridolin nun auch noch Zabine, das kostenlose Lastenfahrrad für Zabo. Die Vision ist es, für jeden Stadtteil in den Städten der Region ein kostenloses Lastenfahrrad zum Verleih bereitzustellen.

Ein weiteres weltweites Aktionsbündnis ist der Cyclehack. Für ein Wochenende treffen sich in diesem Format Menschen aus der Region, um gemeinsam über Problemfelder und Lösungsmöglichkeiten für eine autofreie(re) Verkehrsgestaltung zu diskutieren und Ideen zur Umsetzung zu entwickeln. Das Ziel: Barrieren für Fahrradfahrende abzubauen, Menschen für das Radfahren zu begeistern und Nürnberg insgesamt fahrradfreundlicher zu gestalten.

Eines scheint mir in all diesen Diskussionen klar: Gelingen kann die Verkehrswende nur, wenn die Menschen, die hier leben, bereit sind, diese gemeinsam mitzugestalten. Auch sollten wir aufhören, in Stereotypen und Feindbildern zu denken. Wenn wir uns gegenseitig zuhören würden, die Probleme und Wünsche aller Seiten verstehen lernen und dann gemeinsam Lösungen entwickelten, dann bin ich überzeugt: eine Verkehrswende, die den Wunsch nach Mobilität, den Schutz der Umwelt und die Bedürfnisse der Geringverdiener ernst nimmt, ist nicht nur ein schöner Traum, sondern auch heute schon möglich.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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