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Fasten: weniger ist oft mehr

  • „Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Sachen, welche wir nicht kriegen.“

    „Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Sachen, welche wir nicht kriegen.“

Fasten: weniger ist oft mehr

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) veröffentlichte letzte Woche aktuelle Zahlen zum Pro-Kopf-Verbrauch von Genussmitteln für die Region Nürnberg-Fürth. 9,5 Kilogramm Schokolade, 24,5 Kilogramm Milchprodukte und 104 Liter Bier pro Jahr genießt jeder von uns gemäß der NGG.

Aber nicht nur beim Essen konsumieren wir mehr, als für unsere Gesundheit und unsere Umwelt gut ist. Alle zweieinhalb Jahre kaufen wir gemäß dem Umweltbundesamt ein neues Mobiltelefon. Rund 213 Kilogramm Verpackungsmüll erzeugt jeder von uns statistisch pro Jahr, Tendenz steigend. Gemäß einer FORSA-Umfrage fährt jeder Fünfte von uns jährlich mehr als 20.000 Kilometer mit dem Auto. Auf dem Punkt gebracht lässt sich festhalten: Wir leben auf zu großem Fuß. Würden alle auf deutschem Niveau leben, so bräuchten wir knapp drei Erden. Da wir die aber nicht haben, kommt die bald beginnende Fastenzeit vielleicht gerade recht, um an der ein oder anderen Stelle ganz im Sinne des Wilhelm-Busch-Zitates aus der Überschrift mal ein klein wenig Verzicht zu üben. Hier ein paar Ideen, wie Sie die Fastenzeit auch in anderen Lebensbereichen für einen „schlankeren“ Lebensstil nutzen könnten.

Wo weniger mehr ist

Kaum ein Thema bietet beim Fasten so viel Optimierungs- und Spaß-Potential wie der Verzicht auf Abfall. Durchschnittlich erzeugt jeder Deutsche alleine schon 37 Kilogramm Plastikmüll im Jahr. Schon beim Einkauf von Lebensmitteln werden Tag für Tag Millionen von Plastik- und Papiertüten verbraucht, um Backwaren, Gemüse, Wurst und Käse nach Hause zu transportieren. Dazu kommen die Kaffeebecher für „Unterwegsgenießer“ etc. Mit ein klein wenig Planung und Voraussicht ließe sich unser Abfallvolumen beträchtlich reduzieren. Versuchen Sie doch in diesen Wochen beim Einkauf von Brot, Wurst, Käse, Gemüse etc. ohne Papier- und Plastiktüten auszukommen. Legen Sie sich ein paar Netze, Baumwollbeutel und eine Dose für Wurst und Käse in die Einkaufstasche, dann sind Sie für alle Eventualitäten gerüstet.

Bei Getränken könnten Sie mit einem „Einweg-Fasten“ Gutes tun. Nur noch 30% beträgt der Anteil an Mehrwegflaschen bei Wasser und Saft. Schuld daran ist wohl auch das Wirrwarr der Kennzeichnungen. Aber nur das Wort „Mehrweg“ auf dem Produkt oder der aufgedruckte Engel garantieren, dass es sich um ein Mehrwegprodukt handelt. Übrigens, in Deutschland hat das Leitungswasser Trinkwasser-Qualität. Das ist am Ökologischsten und spart Geld und Müll. Mehrweg statt Einweg und der vermehrte Genuss von Leitungswasser könnte das Motto dieser Fastenzeit sein.

Besitzen Sie noch oder nutzen Sie schon?

Oder wie wäre es mit einem Kauf-Fasten? Ehe Sie neue Produkte kaufen, stellen Sie sich doch zunächst die Frage, ob es im Freundes- oder Bekanntenkreis nicht Menschen gäbe, die mir dieses Produkt leihen könnten? Wenn nein, dann gibt es noch die Alternative, über eines der vielen regionalen Netzwerke wie z. B. den Tauschring oder Nachbarschschafts-Portale wie www.frents.com fündig zu werden. Am besten funktioniert das Tauschen und Leihen meiner Erfahrung nach im Freundes- und Bekanntenkreis. Und wenn Sie schon dabei sind, machen Sie doch einmal Inventur von all den Dingen, die Sie nicht mehr benutzen: Filme, Kleidung, Bücher, Spiele, das Fitnessgerät auf dem Dachboden … die ungenutzten Ressourcen in einem typischen deutschen Haushalt sind enorm. Schenken wir diesen Dingen doch ein neues Leben und damit neue Wertschätzung. Das wäre dann wohl „Dinge-Sammel-Fasten“.

Natürlich gibt es auch noch die klassischen Varianten des Fastens, sei es nun die fleischlose Ernährung, der Verzicht auf Süßigkeiten oder Alkohol etc.. Den Körper zu entgiften ist nicht nur gesund, sondern sicherlich auch hilfreich, um die Dinge im eigenen Leben wieder klarer zu sehen. Auch das „Medienfasten“ wäre sicherlich für viele unter uns ein spannender Selbstversuch. Wie viele Stunden würden ohne Whatsapp, Twitter & Co. auf einmal in unserem Leben frei werden? Egal für welche Art des Fastens Sie sich entscheiden, denken Sie daran, Verzicht nimmt Ihnen nichts weg, sondern schenkt Ihnen vielmehr neue Handlungsoptionen für Ihr Leben.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion

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