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Europäische Woche der Abfallvermeidung

  • Von "Kaffee-Unterwegs-Genießern" & Beuteltieren

    Von "Kaffee-Unterwegs-Genießern" & Beuteltieren

Europäische Woche der Abfallvermeidung

Vom 18. bis 26. November findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. Die Aktionswoche will mit europaweiten Aktionen auf die Möglichkeiten zur Abfallvermeidung hinweisen. Unglaubliche 45,9 Millionen Tonnen haben alleine die deutschen Haushalte 2015 laut dem statistischen Bundesamt erzeugt.

Die Deutsche Umwelthilfe schätzt, dass wir stündlich rund 320.000(!) Coffee-to-go-Becher verbrauchen. Dazu kommen Milliarden von Tüten beim Einkaufen, auch von eigentlich unverpackten Lebensmitteln. Muss das wirklich sein? Die Wege, um unsere Wegwerfgesellschaft in eine Bewahrungs-Gesellschaft zu wandeln, sind vielfältig und oftmals recht einfach.

Mehrweg geht (fast) immer

Egal ob Brot, Obst, Fleisch oder Käse, die Möglichkeiten, beim Einkauf Abfall zu vermeiden, sind bestechend einfach. Sie können an den Bäckerei-Theken Ihre Backwaren jederzeit im eigenen Beutel mitnehmen. Falls Sie keinen zur Hand haben, können Sie auch gerne einen ebl-Brotbeutel erwerben. Auch beim Obst- und Gemüseeinkauf geht es ganz leicht, auf Tüten zu verzichten. Bringen Sie Ihre eigenen Netze mit, oder falls Sie noch keine haben, können Sie diese gerne in Ihrem ebl-Markt kaufen. Wichtig dabei ist, diese Beutel und Netze auch wirklich immer wieder zu verwenden, denn nur dann macht das ökologisch auch Sinn.

Vielleicht haben Sie ja die Aufsteller an den ebl-Wurst- und Käsetheken bemerkt, die Sie dazu ermutigen möchten, auch hier Ihre eigene Dose mitzubringen. Die ebl-Mitarbeiter/innen dürfen die Dose aus hygienischen Gründen zwar nicht hinter der Theke befüllen, legen Ihnen aber gerne Wurst, Fleisch oder Käse in Ihr mitgebrachtes Gefäß auf der Bedientheke.

Um auf die vielfältigen Möglichkeiten zur Woche der Abfallvermeidung aufmerksam zu machen, hat auch die Nachhaltigkeitsinitiative Bluepingu e.V. in Nürnberg einiges auf die Beine gestellt. Das fränkische Multitalent Gymmick hat für die Aktion eigens das fränkische Beuteltier "Frängaroo" gezeichnet. Unter dem Motto "Sei ein Beuteltier - spar dir die Tüte" will die Aktion mit Mehrwegbeuteln auf den Mehrwert von wiederverwendbaren Beuteln hinweisen. Auch für die Aktion gegen Wegwerfbecher für "Kaffeeunterwegsgenießer" steht das Frängaroo Pate. Auf dem wiederverwendbaren Becher erinnert es uns daran: "Spar dir den Becher! ..... für Kaffeeunterwegsgenießer".

"Genug (Glücklich, einfach, nachhaltig und gesund) leben"

Unter diesem Motto zeigt die Zerowaste-Aktivistin Anne Tieseler in aller Radikalität, dass Abfallvermeidung keine Theorie sein muss, sondern gelebte Praxis sein kann. Sie ist, wenn man so will, Spezialistin für ein Null-Abfall-Modell. Der Müll ihrer Familie (ein Mann, ein Kind) von 2017 passt bisher in ein Einwegglas! Ein Umzug ins Ausland erzeugte für die junge Familie die Frage: Was brauchen wir eigentlich wirklich? Mit dieser harmlosen Frage fing alles an. Heute weiß sie, es geht auch anders. Wenn sie von ihrer Müllvermeidungsreise erzählt, dann klingt das in keinster Weise frustriert, im Gegenteil, die Lebenslust ist ihr anzusehen. "Was mir nach all den Jahren Mut macht, ist der Fakt, dass man bei diesem Thema auf niemanden warten muss. Wir brauchen keine neuen Gesetze und auch kein neues Wirtschaftssystem, um loszulegen", so erzählt sie mir voller Optimismus.

Auf die Frage nach zwei Dingen, die sie uns mit auf den Weg geben möchte, hat sie sofort eine Antwort parat. Erstens ein Stück Seife: "Seife ist ein wahres Zaubermittel, das uns hilft, Geld und Ressourcen zu sparen. Mit einem Stück Seife können wir Shampoo, Rasiergel, Rasierschaum oder auch Duschgel ersetzen". Zum zweiten ein kleiner Tipp für ein Selbstexperiment, das Potential hat, uns wachzurütteln: "Sammeln Sie doch mal für eine Woche Ihren Müll und schauen sie sich das gemeinsam an. Es ist verblüffend und motivierend zugleich, was da so alles zusammenkommt", so Tieseler.

Vielleicht scheint der Weg, den Anne Tieseler gegangen ist, für viele unter uns noch radikal. Auch wir sind als Familie noch weit von ihrem Abfallniveau entfernt. Mich hat sie motiviert, weiter dranzubleiben, denn wie sie mir zeigt, haben wir unser Potential Abfall zu vermeiden noch längst nicht ausgeschöpft. Vielleicht sind ja auch Sie neugierig geworden. Auf ihrem Blog www.grueneralltag.de hat Anne Tieseler jede Menge Alltagstipps zur Abfallvermeidung gesammelt. Alle weiteren Informationen zur Woche der Abfallvermeidung und zu Aktionen in der Region finden Sie unter www.wochederabfallvermeidung.de/home/.

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl Redaktion

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