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Das deutsche und europäische Netzwerk Bio-Städte

  • 100 % Bio als Ziel

    100 % Bio als Ziel

Das deutsche und europäische Netzwerk Bio-Städte

Sechzehn Städte gehören derzeit dem 2010 entstandenen Netzwerk der deutschen Bio-Städte an, darunter aus der Region auch Nürnberg, Erlangen und Lauf a. d. Pegnitz. Im Januar 2018 soll sich nun auch ein europäisches Netzwerk in Paris gründen.

Zu den Zielen und Vorteilen, die solch eine Vernetzung für eine Stadt wie Nürnberg bringt, habe ich Dr. Werner Ebert vom Referat für Umwelt und Gesundheit befragt, der die Entwicklung von Nürnberg zur Bio-Stadt von Anfang an begleitet.

Redaktion: Die Stadt Nürnberg hat von Beginn an die Idee eines deutschen und internationalen Netzwerks der Bio-Städte unterstützt. Worum geht es dabei genau und was bringt dieser Zusammenschluss einer Stadt wie Nürnberg?

Dr. Werner Ebert: Durch die Vernetzung können wir schnell und unbürokratisch voneinander lernen und Wissen innerhalb des Netzwerkes weitergeben. Wir führen auch gemeinsame Projekte durch, die der wirtschaftlichen und ökologischen Bedeutung der Bio-Branche gerecht werden. Die Ziele dieses Netzwerks sind es, den Ökolandbau, die Weiterverarbeitung und die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln mit regionaler Wertschöpfung zu fördern. Insbesondere heißt das, den Vorrang für Bio-Lebensmittel bei öffentlichen Einrichtungen zu erreichen, gerade auch bei der Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Kopenhagen ist hier unser Vorbild. Dort liegt der Bio-Anteil in allen Einrichtungen der Kommune bei 90 %! Erreicht wurde das durch die Gründung einer Stiftung, dem House of Food, das durch die Stadt Kopenhagen finanziert wird. Aufgabe der Stiftung war und ist es, die Essensqualität zu verbessern und eine gesunde und nachhaltige Esskultur zu fördern. Dies ist sogar kostenneutral gelungen dadurch, da hier alles selbst gekocht und eingekauft wird.

Redaktion: Was wurde denn im Rahmen des deutschen Netzwerkes der Bio-Städte in den letzten Jahren erreicht?

Dr. Werner Ebert: Angefangen hatte alles seinerzeit mit der Frage, wie wir die Vision von einem höheren Bio-Anteil in Kommunen umsetzen können. Im Zentrum standen anfangs rechtliche Fragen wie die Zulässigkeit eines Passus für Bio-Anteile in Ausschreibungen. Gemeinsam haben wir hier Bausteine entwickelt, die es Kommunen nun ermöglichen, dies schnell umzusetzen. Außerdem versuchen wir innerhalb des Netzwerks auch eine koordinierte Lobby-Arbeit zu entwickeln, die uns dabei hilft, auf allen politischen Ebenen unser Thema in Erinnerung zu rufen. So soll staatliche Förderpolitik wesentlich stärker auch die Bio-Branche berücksichtigen. Immerhin leben mittlerweile 7,5 % der deutschen Bevölkerung in Bio-Städten. Die Früchte unserer Arbeit zeigen sich auch darin, dass die Bio-Städte auch Teil der Zukunftsstrategie Ökolandbau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft geworden sind.

Redaktion: Nun wird ja am 8. Januar 2018 in Paris ein europäisches Netzwerk der Bio-Städte gegründet. Viele große Metropolen werden hier von Beginn an mit dabei sein. Es geht also voran, oder?

Dr. Werner Ebert: Ja, mit der Gründung eines europäischen Bio-Städte-Netzwerks werden wir wieder einen großen Schritt nach vorne machen. Es ist toll, dass von Beginn an Metropolen wie Mailand, Paris und Wien sich dieser Idee anschließen. Viele Entscheidungen zum Thema Landwirtschaft, Ernährung und Esskultur werden ja auf europäischer Ebene in Brüssel gefällt. Mit einem eigenen Büro in Brüssel ist es unser Ziel, die Stimme für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Landwirtschaft und Esskultur sowie eine kommunale Ernährungspolitik zu stärken. Gerade auch die Metropolregionen zu vernetzen wird dabei eine große Rolle spielen. Wir wollen die Erfahrungen, die beispielsweise in Italien, Spanien oder auch Deutschland gemacht wurden, nun auch auf europäischer Ebene teilen.

Redaktion: Wie können sich interessierte Bürger/innen denn in dieses Projekt einbringen?

Dr. Werner Ebert: Jeder kann sich hier engagieren. Es gibt dafür vielfältige Möglichkeiten in den diversen Arbeitskreisen der Stadt, durch ein Engagement bei Projekten zur Solidarischen Landwirtschaft oder Vereinen wie Bioverbraucher e. V. oder Bluepingu e. V. dazu beizutragen, dass unsere Vision von 100 % Bio Wirklichkeit werden kann.

Redaktion: Eine tolle Vorstellung: 100 % Bio in allen öffentlichen Einrichtungen. Diesem Ziel schließen wir uns bei ebl-naturkost natürlich auch gerne an.

In diesem Sinne: Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, dass wir dem Ziel 100 % Bio Schritt für Schritt näher kommen!

Herzlich grüßt

Ihr Frank Braun für die ebl Redaktion

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