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Bio kennt kein Ackergift

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    Bio kennt kein Ackergift

Bio kennt kein Ackergift

Über 1,3 Millionen Unterschriften für ein Glyphosat-Verbot wurden mit der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) "STOP Glyphosat" (wir haben im April darüber berichtet) in weniger als fünf Monaten gesammelt und Anfang Juli bei den Behörden eingereicht. Auch in unseren ebl-Märkten lagen die Unterschriftenlisten aus.

Vielen Dank an alle, die unterzeichnet und mitgesammelt haben!

Doch wie geht es jetzt weiter? Trotz der verheerenden Auswirkungen auf die Artenvielfalt und der wahrscheinlich krebserregenden Wirkung des Ackergifts wird die EU-Kommission wohl noch im Juli offiziell vorschlagen, das Pestizid für weitere zehn Jahre zuzulassen. Dank der erfolgreichen Bürgerinitiative ist die EU-Kommission nun aber gesetzlich verpflichtet, die Forderung nach einem Verbot von Glyphosat und EU-weite Maßnahmen zum Schutz der Menschen und der Umwelt vor giftigen Pestiziden in einem formellen Verfahren zu prüfen.

Im Ökolandbau ist der Einsatz von Pestiziden und anderen synthetischen Pflanzenschutzmitteln verboten. Wer also Bio im Naturkost-Fachhandel kauft, investiert nicht nur in unbelastete Bio-Lebensmittel und -Produkte, sondern zusätzlich in ein ganzes Paket positiver Nebeneffekte: Die große Leistung und das Kernziel der ökologischen Landwirtschaft ist der Erhalt der Umwelt, z. B. durch Gewässer-, Klima- und Artenschutz sowie Bewahrung der Bodenqualität und der Artenvielfalt (Biodiversität).

Bis Glyphosat verboten werden kann, ist es noch ein weiter Weg. Denn Monsanto & Co. werden alles versuchen, um eine Wiederzulassung zu erreichen. Für sie geht es um Milliarden. Doch auch von anderer Seite gibt es Hindernisse, die einem endgültigen Glyphosat-Stop im Wege stehen: Statt vorsorglich Maßnahmen für ein mögliches Glyphosat-Verbot zu treffen, hat die EU-Kommission seit April 2015 insgesamt 14 Importzulassungen auf 10 Jahre für Gentechnikpflanzen erteilt, je vier für Gentechnik-Soja, -Mais und -Baumwolle, sowie zwei für Gentechnik-Raps. Alle diese Pflanzen wurden gegen Glyphosat resistent gemacht. Sie werden in der EU vor allem als Futtermittel eingesetzt und sind in der Regel mit entsprechenden Rückständen belastet. Würde die Zulassung von Glyphosat nicht verlängert, müsste auch der Import Glyphosat-resistenter Gentechnik-Pflanzen verboten werden.

Das ist eher unwahrscheinlich: ausreichende Futtermittel-Alternativen stehen derzeit nicht zur Verfügung. Tatsächlich hat die Industrie die EU schon 2016 mit der Drohung unter Druck gesetzt, dass die Versorgung mit Futtermitteln zusammenbrechen werde, falls die mit Glyphosat belasteten Gentechnik-Produkte nicht weiter importiert werden dürften. Insbesondere bei Soja-Importen aus Ländern wie Argentinien, Brasilien oder den USA wird Glyphosat jedoch zum Teil in extrem hohen Dosierungen eingesetzt.

Auf diese Art macht die EU einen Deal mit umstrittenen Konzernen, denen es nur um ihren Umsatz geht. Dieses Milliarden-Geschäft ist nur möglich, wenn eine entsprechend hohe Nachfrage besteht. Der konventionelle Lebensmitteleinzelhandel bedient diese Nachfrage gerne, da auch er ein Stück vom Kuchen abhaben möchte. Indem er aber die mit Pestiziden gespritzte Ware anbietet, unterstützt er automatisch die Konzerne, die pro Glyphosat sind.

Aber auch der Verbraucher ist an diesem Teufelskreis maßgeblich beteiligt: Wer sich optisch makelloses Obst und Gemüse in immer gleicher Farbe, Größe oder Gewicht wünscht, nimmt automatisch in Kauf, dass Glyphosat und andere Pestizide beim Anbau eingesetzt werden und dann als Rückstände in den Lebensmitteln mitverzehrt werden. So lässt man sich indirekt von den Konzernen vorschreiben, was man isst. Hinzu kommt: Wer Bio im konventionellen Lebensmittelhandel kauft unterstützt damit wiederum die Macht der Konzerne und gleichzeitig den Verkauf gespritzter, konventioneller Ware.

Sie als Verbraucher haben es also mit in der Hand: Sind Sie auf der Suche nach einer - schon jetzt - Glyphosat- bzw. Pestizid-freien Zone: Herzlich willkommen in unseren ebl-Märkten!

Viele Grüße

Christine Fröhlen für die ebl-Redaktion

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