Green Economy: Does it include you?
Sind Sie Teil der „Grünen Wirtschaft“, so fragt uns das Thema des diesjährigen Weltumwelttages am 5. Juni und lädt uns alle ein zu reflektieren, was wir denn in unserem Leben dazu beitragen können, dass sich unser Lebensstil in Partnerschaft mit Gesellschaft und Natur befindet. Seit 1972 wollen die Vereinten Nationen (UN) an diesem Tag weltweit auf die vielen ungelösten Umweltfragen aufmerksam machen und durch weltweite Aktionen Politik und Wirtschaft „motivieren“, hier entschlossen zu handeln, um auch zukünftigen Generationen einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.
Aber was genau verbirgt sich denn hinter einer „Green Economy“? Der Begriff der „Green Economy“ wurde richtig populär im Nachgang zur globalen Finanzkrise 2007. Genaugenommen ist diese Finanzkrise auch heute noch allgegenwärtig und eher zu einer Dauerkrise geworden. Als positiven Nebeneffekt hat diese Krise einer breiten Öffentlichkeit auf drastische Weise vor Augen geführt, dass unser derzeitiges Denken und Wirtschaften unsere Lebenswelt in eine Schieflage gebracht hat. Die „Green Economy“ ist ein Wirtschaftsmodell, in dem soziale Gerechtigkeit (derzeit hungern 900 Millionen Menschen) Umweltschutz und eine gesunde Ökonomie ineinander greifen, anstatt gegeneinander scheinbar zu konkurrieren, wie es ja heute oft von der Wirtschaft skizziert wird. Die Fragestellung „Wie viel Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit können wir uns leisten“, wird in diesem Modell auf den Kopf gestellt. Wir können nicht mehr weiter beliebig Rohstoffe ausbeuten, wir können unsere Umwelt nicht mehr weiter beliebig mit Müll und Schadstoffen belasten, wir können unsere Kommunen und Staaten nicht mehr beliebig weiter überschulden, um so unseren Lebensstil auf Pump zu finanzieren, so die Hypothese hinter dem Ansatz einer „Green Economy“.
Ein guter und sehr praktischer Beitrag zu dieser Debatte ist auch Christian Felbers Buch „Die Gemeinwohlökonomie – ein Wirtschaftsmodell mit Zukunft“ das im August 2010 im Deuticke Verlag erschienen ist. Felber beschreibt mit seinem neuen Wirtschaftsmodell ein Gegenmodell zum Kapitalismus und zu realsozialistischen Irrwegen. Felbers Gemeinwohlökonomie schlägt eine ganzheitliche Neuausrichtung unseres Wirtschaftssystems vor, in dem Geld und Märkte wieder dem Menschen dienen und nicht umgekehrt. Sicherlich könnten wir jetzt alle viele Gründe finden, warum das denn nicht funktionieren kann. Aber mal ehrlich, gibt es nicht mindestens ebenso viele, aus der Realität der letzten Jahrzehnte konkret belegbare Gründe, die gegen unser etabliertes System sprechen. Neue Wege bergen immer die Gefahr eines Scheiterns, aber wollen wir deshalb Verharren wie das Karnickel vor der Schlange? Was das Buch in diesem Zusammenhang so spannend macht, ist der Fakt, dass bereits 30 Betriebe begonnen haben, die im Buch beschriebenen Prinzipien umzusetzen, darunter auch die Sparda Bank München.
Kooperation statt Konkurrenz
Das wohl schwierigste Thema in diesem neuen Denkmodell ist die Abkehr von einem System, in dem Konkurrenzdenken das Handeln der Unternehmen (und wohl auch der meisten Individuen) bestimmt, hin zu einem System, in dem Kooperation im Vordergrund steht. Hier können wir alle bei uns selbst anfangen, dieses Umdenken zu üben. Grundlage eines solchen Ansatzes ist sicherlich Vertrauen und Offenheit füreinander. Der Weg dorthin ist sicherlich noch weit und es gibt noch eine Vielzahl von Hürden, die es zu überwinden gilt, um die Gemeinwohlökonomie eine globale Wirklichkeit werden zu lassen. Die Anzahl derer, in Politik und Wirtschaft und auch unter uns an der Basis, die erkannt haben, dass es so nicht weitergehen kann, wächst jedoch täglich. Das macht Hoffnung, dass hier etwas Neues entstehen kann, auch ohne dass das Alte erst in Schutt und Asche liegen muss.
Vielleicht ist der 5. Juni ja auch für Sie ein Startpunkt, um im eigenen Leben den nächsten Schritt zu gehen. Wir haben mittlerweile eine Vielzahl von Handlungsalternativen, um selbst dazu beizutragen, dass die Vision einer Gemeinwohlökonomie nicht als ein theoretisches Denkmodell in die Geschichtsbücher eingeht, welches uns vor dem Zusammenbruch hätte bewahren können. Wir haben es gemeinsam in der Hand!
Herzlich grüßt
Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion