Der Durchschnittsdeutsche verbraucht ca. 120 Liter Trinkwasser am Tag, rund 16 Kilogramm Fisch, knapp 40 Kilogramm an Tiefkühlkost, 150 Liter Kaffee im Jahr, die Liste ließe sich noch endlos fortsetzen. In solchen Zahlen verdeutlicht, wurde mir die Dimension unseres jährlichen Konsums erst mal so richtig klar.
Nie zuvor war Essen in Deutschland so billig. Diesen Trend verdeutlicht auch eine Statistik von Eurostat, Vergleicht man die Pro-Kopf-Ausgaben für Essen in Deutschland im Jahr 2000 und 2009, so haben sich unsere Ausgaben pro Kopf für Essen in diesem Zeitraum um 2,5 % verringert. Knapp 12 % der Haushaltskasse gibt laut der Süddeutschen Zeitung ein deutscher Haushalt noch für Lebensmittel aus. In der Nachkriegszeit waren es noch knapp 50 %.
Auch im internationalem Vergleich haben wir Deutschen einen Spitzenrang was unsere Pro- Kopf-Ausgaben für Ernährung betrifft – kaum einer gibt weniger aus. Das könnte uns ja eigentlich freuen, oder?
Nicht erst der Dioxin-Skandal zeigt aber, dass diese Rechnung nicht auf geht. Denn tatsächlich kosten uns als Gesellschaft diese Billigprodukte ein Vielfaches dessen, was auf dem Kassenbon steht. Da sind zunächst die Menschen, die für Hungerlöhne und unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen arbeiten, um Kakao, Kaffee, Obst und Gemüse billig auf unseren Tisch zu bringen. Da sind die Folgekosten für die Umweltschäden, die eine auf Gift aufbauende konventionelle Landwirtschaft, an Land, Mensch und Grundwasser verursacht. Da sind die Bauern, die nicht mehr vom Ertrag ihrer Felder leben können und am Ende sind da wir, die vom Verzehr dieser Produkte krank werden.
Natürlich ist das nicht nur beim Essen so. Ob das Weichmacher im Billigspielzeug sind oder die Folgekosten des Atommülls beim Strom, überall verstecken sich Kosten, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht über das Produkt gezahlt werden.
Was können wir tun?
Das sind erst einmal bedrückende Fakten und es stellt sich die Frage, was wir tun können, um diesem Teufelskreis zu entfliehen. Ich denke, es gibt da schon einige Möglichkeiten, um Schritt für Schritt den Hebel umzulegen. Dabei geht es vor allem um unsere Prioritäten beim Kauf. Schadstoffvermeidung im Produkt, Umweltschutz rund ums Produkt und soziale Gerechtigkeit in der Produktion sind dabei aus meiner Sicht die drei wesentlichen Kriterien, die hier beim Kauf mit einfließen sollten.
Erfreulicherweise helfen uns bei der Produktauswahl in zunehmenden Maße die Bio-, Umweltund Fairtrade-Siegel, aber es gilt darüber hinaus auch z.B. die Verpackung kritisch zu hinterfragen (etwa Plastik- vs. Glasflasche) und nachzulesen, was im Produkt drin steckt. Wir haben es in der Hand auch weiterhin durch kritischen Konsum, die Weichen auf Zukunft zu stellen!
Wenn wir es nicht schaffen etwas zu ändern, dann werden wir den Rest der Zeche auf schmerzliche Weise und in zunehmenden Maße selber zahlen müssen. Aber ich bin optimistisch, dass es uns gelingen kann, denn eigentlich wollen wir doch alle das Richtige tun!
Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion