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Vom Aussteigen und Umsteigen

Nun ist er also perfekt, der vielzitierte Ausstieg aus dem Ausstieg vom Ausstieg aus der Atomkraft. Sie sind verwirrt? Das bin ich auch! Wer in den letzten Wochen nicht ab und an einigermaßen verwundert war, angesichts der Metamorphose, die unsere Bundesregierung durchlaufen hat, dem ist ein hohes Maß an Fantasie zu attestieren.

Wie dem auch sei, nun sind wir also wieder dort, wo wir vor 10 Jahren schon einmal waren, 2022 soll das letzte Atomkraftwerk vom Netz gehen. Das hatte im Jahr 2000 die rot-grüne Regierung beschlossen, bis die jetzige Regierung diesen Beschluss im Jahr 2009 wieder umkehrte. Damals hatte die Regierung den Ausstieg im Konsens mit den Energieversorgungsunternehmen getroffen. Nun drohen uns seitens der Industrie noch satte Schadensersatzforderungen. Die Rücknahme des Atomausstiegs durch die Bundesregierung im Herbst 2010 hat dort hungrig gemacht, denn Atomkraftwerke sind für die Energieversorgungsunternehmen höchst profitabel.

Von einer "Herkulesaufgabe" sprach Frau Merkel während ihrer Rede letzte Woche, als sie den neuen Kurs der Regierung vorstellte. In der Tat, es ist keine einfache Aufgabe und leider haben wir durch den Schlingerkurs der Regierung wertvolle Jahre verloren, um in zukunftsfähige Technologien zu investieren. Netze müssen umgerüstet werden und es müssen Kapazitäten geschaffen werden, um die Vision des Ausstieges wahr werden zu lassen. Immer wieder hören wir, dass der Steuerzahler, also wir, diese Entscheidung bezahlen müsse. Aber das ist ja nichts Neues!

Dass letzte Woche nun auch in Italien in einer Volksabstimmung mehr als 90 % der Menschen gegen einen Wiedereinstieg in die Atomkraft stimmten, zeigt, anders als in der Presse immer wieder dargestellt, dass diese Frage auch Menschen in anderen Ländern zu einem klaren Votum eint. Doch nun gilt es weiter engagiert den energiepolitischen Kurs zu verfolgen. Denn sicherlich ist es keine Lösung, wieder verstärkt auf Kohle als Energiequelle zu setzen. Dies würde uns in der Frage der Klimaerwärmung wieder zurückwerfen. Der Weg nach Vorne darf nicht ein Weg zurück werden. CO2 in der Erde zu verpressen ist hierzu keine Lösung, sondern gleicht eher dem Umgang mit dem Atommüll, also einer Verlagerung von Problemen auf zukünftige Generationen, die auf diesen Zeitbomben sitzen werden, wenn es uns schon lange nicht mehr gibt.

Was können wir tun, um darauf hinzuwirken, dass Atomausstieg und CO2-freie Energieversorgung gleichberechtigt weiter vorangetrieben werden? Nun, da sehe ich primär zwei Dinge:

1. Umsteigen: Das geht ganz einfach. Wechseln Sie zu einem der vier wirklichen Öko-Stromanbieter, denn nur dort ist sichergestellt, dass Sie mit Ihrem Geld den Ausbau der regenerativen Energien (Wind, Wasser, Sonne, Erdwärme und zu einem gewissen Grad Biomasse aus nachwachsenden Rohstoffen) forcieren. Dort liegt unsere Zukunft! Wer mehr zum Thema wissen möchte, dem sei die von 23 Umweltverbänden gegründete Webseite www.atomausstieg-selber-machen.de empfohlen. Alternativ können Sie sich unter der kostenlosen Hotline 0800/7626852 beraten lassen. Natürlich haben mittlerweile auch alle großen Energieversorgungsunternehmen ihre eigenen "grünen Produkte". Ein Umstieg auf diese Tarife ist besser, als gar nichts zu tun, denn es zeigt diesen Unternehmen, wo die Prioritäten ihrer Kunden liegen.

2. Einsteigen: Wir haben vielfältige Möglichkeiten, durch viele kleine Dinge dazu beizutragen, unseren Energieverbrauch zu senken. Ob abschaltbare Stromleisten, Energiesparlampen, der bewusste Umgang mit dem Standby-Modus bei Computern oder der Deckel auf dem Kochtopf – durch Mitdenken können wir Energie sparen, ohne dass wir dadurch auf Lebensqualität verzichten müssten. Viele Tipps und Tricks zum Energiesparen, finden Sie auch auf www.utopia.de/ratgeber/energiesparen .

Steigen Sie ein und machen Sie mit! Ihr Verhalten und Engagement kann den nötigen Wandel in unserer Energiepolitik beschleunigen!

Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion



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