Die Demokratie wird wieder lebendiger
Dieses Jahr gab es pünktlich zum Beginn der Adventszeit ein nicht unbedingt erwartetes Geschenk. Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil Ende November festgestellt, dass das Aussäen von gentechnisch veränderten Pflanzen unerwünschte und sogar schädliche Wirkungen haben kann. Die Richter schlossen sich damit auch der Sichtweise der Naturschutzverbände an, dass sich Gentechnik, die einmal freigesetzt wurde, kaum mehr zurückholen lässt. Dies ist ein wichtiger Meilenstein, um die Interessen der gentechnikfrei wirtschaftenden Bauern und Produzenten zu wahren. Denn das heißt, wer Gentechnik anbaut, muss auch für die Folgen haften, wenn durch deren Aussaat beispielsweise „genfrei“ wirtschaftende Nachbarn ihre Produkte nicht mehr verkaufen können.
Fallbeispiel: Gottfried Glöckner und die Gentechnik
Vor wenigen Tagen erst hatte der Landwirt Gottfried Glöckner auf einer Veranstaltung in der Region seine eigene Leidensgeschichte berichtet. 1997 hatte Gottfried Glöckner begonnen auf 5000 Quadratmetern den Zünsler resistenten Genmais Bt 176 anzubauen. Diesen verfütterte er an sein eigenes Milchvieh. Letztendlich starb sein gesamter Viehbestand. Eine Überprüfung der Futtermittel zeigte, dass unter anderem nach 1,5 Jahren Silolagerung 8300 Nanogramm Bt-Toxin pro Kilogramm im Futtermais waren. Dieses Toxin schädigt den Organismus massiv. Glöckner stand vor einem Scherbenhaufen. Seither setzt sich der Landwirt für eine gentechnikfreie Landwirtschaft ein.
Dieser Fall zeigt auch deutlich, wie Produzenten und Verbraucher hier als „Versuchskaninchen“ missbraucht werden. Weder die Produzenten noch die Verbraucher dürfen in dieser Weise von Konzernen benutzt werden.
Die Demokratie lebt!
Stuttgart 21, die Debatte um die Atomlaufzeitverlängerung und auch die Gentechnikdebatte zeigen, dass die Gesellschaft wieder mitdiskutieren will und Entscheidungen, die über ihre Köpfe hinweg getroffen werden, nicht mehr einfach hinnimmt. Und das ist gut so! Auch die 2. Generation des Internets hat uns eine Reihe neuer Möglichkeiten geschenkt, Bürgerwillen sichtbar zu machen und Bürgerbeteiligung zu leben. Engagieren auch Sie sich für das, woran sie glauben. Es lohnt sich!
Ihr Frank Braun für die ebl-Redaktion