Das Fasten hat eine lange Tradition. In beinahe allen Weltreligionen gibt es Fastentage oder Zeiträume, für die spezielle Ernährungsregeln gelten. Sinn des Brauchs ist die Hinwendung zu Gott und die spirituelle Reinigung. Dabei überwiegen die Fastenzeiten im Frühling: die Wintervorräte der Bauern gingen in dieser Zeit zur Neige und man wollte das neue Erntejahr gereinigt mit einem Neuanfang beginnen.
Heute fasten nur noch wenige aus religiöser Überzeugung. Als innere Reinigung, die der Gesundheit dient, findet die Praktik weiterhin viele Anhänger. Schon Hippokrates von Kos, der berühmte Arzt der Antike, meinte: „Heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.“ Auch Hildegard von Bingen entwickelte im Mittelalter Fastenkuren zur Reinigung von Körper und Seele. Als „Vater“ des modernen Heilfastens gilt Otto Buchinger. Er propagierte durch seine Fastenmethode eine Entgiftung des Körpers, die Verbesserung des allgemeinen Befindens und die Heilung bestimmter Erkrankungen - wie Arthritis oder Hautkrankheiten.
Ist weniger wirklich mehr?
Aber es gibt auch Kritiker: Experten warnen vor Fastenkuren als Diätersatz. Unter ärztlicher Aufsicht sollten diese höchstens Impulsgeber zur Änderung der Ernährungsgewohnheiten sein. Außerdem ist zu beachten, dass Fastende durch den Eiweißmangel Muskelmasse abbauen, den sie später wieder antrainieren müssen. Auch die angeblich beim Fasten stattfindende „Entschlackung“ wird von manchen Ärzten kritisiert, da „Schlacke“ im medizinischen Sinne nicht existiert.
Nichtsdestotrotz schätzen Menschen, die regelmäßig fasten, die positiven Wirkungen über das körperliche Wohlbefinden hinaus. Neben einem inneren psychischen „Aufräumen“ beobachten sie häufig ein gesteigertes Selbstbewusstsein, das mit der Befreiung von Abhängigkeiten und der Übung der Willenskraft einhergeht. Auch eine Förderung der Wahrnehmung und der eigenen Aufmerksamkeit wird beobachtet.
Und für die Zeit danach gilt: selten wird die Vielfalt der Lebensmittel bewusst so genossen wie nach einer Fastenkur.
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