Die Chefköchin geht von Herd zu Herd
Mittlerweile haben alle ihre Zutaten zusammen gesucht und zu ihren Arbeitsplätzen gebracht. Noch ist eine kleine Starthemmung zu verspüren. Jetzt? „Ja, fangen Sie einfach an“, muntert uns Frau Braun-Lichter auf. Monika, Birgit und Cornelia besprechen kurz die vor ihnen liegende Arbeit. Sie haben die gegrillten Garnelen, die mit Gurken-Buttermilchsuppe und das „Beerenkompott mit Topfencrème“. Das muss als erstes gemacht werden, damit die Crème genug Zeit hat, um ausreichend kalt zu werden.
Die anderen Gruppen machen es ähnlich und fangen ebenfalls an, aus ihren Zutaten die geplanten Spiesen zuzubereiten. Bald sind alle Hobbyköche mit Schälen und Rupfen, Zupfen und Hacken, Schneiden und Schnibbeln beschäftigt. Unsere Chefköchin geht von Herd zu Herd, wirft ein Auge auf die Arbeiten, beantwortet Fragen und hilft bei Bedarf, nach einem Sieb oder einem geeigneten Messer zu suchen. Die Kochgruppen sind in ihre Arbeiten vertieft, nebenbei unterhalten sie sich und tauschen Tipps aus.
Schweinelende auf Kräuterbett
Zwischendurch bittet unsere Frau in Weiß kurz um Gehör, wenn sie der Ansicht ist, die Frage einer Teilnehmerin könnte die andere Mitköche ebenfalls interessieren. Wir lauschen alle ihren Tipps: „Entkernen Sie Gurken für einen Salat, die werden sonst bitter, wenn sie etwas länger stehen“, sagt sie dann. Oder: „Wenn Sie gutes Fleisch kaufen, beispielsweise Bio-Fleisch von Demeter brauchen Sie das nur ganz kurz anzubraten. Es schmeckt besonders saftig und würzig, wenn sie es anschließend auf einem Kräuterbett in den Backofen geben.“ In eine hitzebeständige Form legt sie hierfür Rosmarin, Zitronenmelisse, Boretsch und „nur ein kleines bisschen“ Lavendel – beide mit ihren Blüten – Oregano, Salbei, Thymian und Petersilie, darauf kommt das Fleisch, in unserem Fall die Schweinelende für die Fleischspieße. Mit Ober- und Unterhitze – bei Umluft trocknet das Fleisch aus – 15 Minute bei 130 Grad oder eine halbe Stunde bei 110 Grad reichen völlig.
„Und noch etwas: machen Sie aus dem Kochwasser von Bohnen nie Suppen oder Saucen, weil darin Blausäure enthalten ist, das bekommt Ihnen gar nicht“, warnt sie uns. Auch für die Salatsoße hat sie einen Tipp: „Mischen Sie verschiedene Öle, nehmen sie nicht nur eine Sorte. Wenn Sie Lein-, Raps-, Oliven- und Walsnussöl mischen findet jeder Esser seinen Lieblingsgeschmack wieder.“
In zweieinhalb Stunden ist alles fertig
Allmählich werden alle Gruppen fertig. Für halb neun ist das gemeinsame Essen angesetzt. Die ersten beginnen, den Tisch zu decken. Unsere Gourmetköchin stellt zwei Flaschen Bioland-Wein auf den Tisch. „Johanniter“ vom Weingut Manfred Rothe aus dem fränkischen Nordheim, natürlich ebenfalls von ebl. Pünktlich sitzen wir alle vor unseren Tellern, erstaunt darüber, dass alle Speisen in zweieinhalb Stunden fertig geworden sind. Nun muss es uns nur noch schmecken. Stolz präsentieren die ersten ihre Gerichte. Als „locker und erfrischend“ wird die geeiste Gurken-Buttermilchsuppe bezeichnet, bei der Tomatensuppe finden wir alle, dass die Strauchfrucht gut herauszuschmecken ist. Die Zucchinicrespelle, das sind kleine, herzhafte Pfannkuchen, mit Ricotta und Parmesan gefüllt und mit gerösteten Mandelblättchen locker bedeckt, munden uns ebenfalls vorzüglich. Über die Gemüsespießchen aus angebratenen Auberginen, Paprika und Zucchini mit frischen Basilikumblättchen wird noch etwas Balsamico-Crème geträufelt, was dem Gemüse eine angenehme Säure gibt. Der nun folgende Tomaten-Nektarinen-Salat aus vollreifen Tomaten, saftigen Nektarinen, Lauchzwiebeln und Zitronenmelisse in einer Marinade aus weißem Balsamico und Rapsöl wird mein persönlicher Favorit des Abends. Die Mischung aus Frische und Würze, Säure und Süße regt meine Geschmacksknospen besonders lebhaft an.
Ein Soundso-an-Dies-und-Das-Dessert
Auch die Schweinelende mit Beerenrelish, in unserem Fall sind es Brombeeren, hat diese sauer-süße Note, die mir so gut gefällt. Ebenso wie die Fleischspieße aus Rinderrouladenfleisch und der Kartoffelsalat ist sie als nächstes an der Reihe. Zum Schluss kommt die Topfencrème mit Beerenkompott als Dessert. Hierfür hatte unser Vorköchin zum Schluss der Zubereitung noch langgestreckte, eckige Teller aus mattiertem Glas hervorgezaubert, auf denen sie uns zeigte, wie man so eine Speise edel dekoriert. Erst eine dünne Linie schwarzroten Beerenkompotts in der Mitte des Tellers, seitlich dazu ein Blättchen frischer grüner Minze, daneben zwei kleine, schwarze Zartbitter-Waffelblätter, eine halbierte Brombeere und die weiße Topfencrème in ovaler Nockenform. Eine Nachspeise, die in einem schicken Restaurant sicher einen Soundso-an-Dies-und-Das-Namen bekommen würde. Andächtig genießen wir dieses wunderbare Dessert zum Abschluss eines gelungenen Abends, den wir um kurz vor zehn beschließen.